Trennung – Eine Chance zur Selbstfindung

Apr 20, 2020

Verlassen worden und wieder alleine? Kein Grund in Selbstmitleid zu verfallen und die Welt zu verfluchen. So eine Trennung gibt dir die Möglichkeit, Zeit für dich zu nehmen und zu dir selbst zu finden. Denn nicht selten verlieren wir uns in Beziehungen und wissen eigentlich gar nicht mehr,  wer wir wirklich sind. Ergreife die Chance, einen Neuanfang zu starten, über die hinauszuwachsen und dich besser kennenzulernen.

Der Partner und das Glücklichsein

Ich weiß, dass es angesichts des überwältigenden Schmerzes einer Trennung nicht einfach ist das Positive im Ende der Beziehung zu sehen. Doch hier tut sich eine  Möglichkeit auf, die uns oft nur in Zeiten großen Kummers begegnet. Wir richten unseren Blick nach innen und können folgende Fragen stellen: Warum tut das so weh? Wieso bin ich so verletzt?

Und wenn wir noch einen Schritt weiter gehen: Wer ist eigentlich dieses Ich, das so verletzt ist, also, diese innere Stimme, die von Kränkung, Verletzung und Angst vor Einsamkeit spricht.

In den Augenblicken, in denen wir Liebe und Glück empfinden, meldet sich diese innere Stimme nämlich kaum. Sie taucht meistens erst dann auf, wenn sie uns oder jemand anderes verurteilt oder uns ein schlechtes Gewissen machen will.

Den Zustand des inneren Friedens bezeichnen wir als “Glücklichsein”, ein Zustand, den wir eben auch im Zusammensein mit einem geliebten Menschen empfinden. Wir sind dann mit all unseren Sinnen im Hier und Jetzt und diese vollkommene Achtsamkeit für den gegenwärtigen Augenblick empfinden wir als Glück.

Wir  glauben fälschlicherweise, dass dieses Glück von äußeren Umständen abhängig ist (in diesem Falle von unserem Partner). Daher versuchen wir, mehr von dem zu bekommen, was uns Glücksgefühle gibt und übersehen die Tatsache, dass es die Ruhe vom inneren Kritiker ist, die uns achtsam und zufrieden macht.

Puppen Großeltern

Wenn uns der Partner verlässt …

… erleben wir Zweifel, Wut und Enttäuschung. Wir wurden unserer Gewohnheiten beraubt und unser Ego ist angeknackst. Das sind zwei Dinge, die unser Verstand nicht leicht verkraftet, und zwar aus folgenden Gründen:

♦ Unser Verstand liebt Gewohnheiten, weil sie ihm Sicherheit vermitteln.

♦ Sicherheit ist ein Bedürfnis des Menschen, weil wir Unsicherheit als etwas Bedrohliches wahrnehmen.

♦ Der Verstand versucht, gespeicherte Erinnerungen in die Zukunft zu projizieren und glaubt so, das Leben planen zu können. Da es jedoch Dinge im Leben gibt, die wir nicht vorhersehen können (denke nur an die derzeitige Krise), geht dieses System langfristig gesehen nicht auf.

Unsicherheit jedoch sollte weder bedrohlich noch beängstigend sein. Es ist ein natürlicher Zustand, wenn wir mit etwas Neuem und uns Unbekannten konfrontiert werden.

Kein Grund zur Panik! Der Mensch ist mit fantastischen Fähigkeiten ausgestattet, um solche Zeiten zu meistern. Auch wenn sie anfangs unbequem und unangenehm sind.

Ebenso ist das mit der Trennung. Natürlich schmerzt es. Natürlich hat man Angst vor der Zukunft, solange man sich in einem negativen Gedankenkarussell befindet, das uns von Einsamkeit und sozialem Abstieg erzählt. Solche Gedanken sind allerdings nichts weiter als Projektionen deines Verstandes von irgendwelchen Glaubenssätzen, die er aus deinem Unterbewusstsein hat.

Warum kann ich meine Gedanken nicht einfach abdrehen wie das Licht mit einem Schalter und alles wäre gut? Ich kontrolliere schließlich meine Gedanken. Oder etwa doch nicht?

Kontrolliert durch das Unterbewusste

Ganz so einfach ist es leider nicht, wie jeder von uns selbst schon einmal feststellen musste. Wir können nicht auf Knopfdruck negative Gedanken abschalten oder eben mal schnell in positive Gedanken umwandeln (Siehe auch: Positiv denken, egal was kommt).

Und selbst wenn wir uns nun einreden wollen, dass die Trennung nicht so schlimm ist, werden wir schnell bemerken, dass wir uns dadurch trotzdem nicht besser fühlen. Nur weil der Verstand etwas anderes sagt als vorher, heißt das nicht, dass der Körper ihm glaubt.

Der Körper hat nämlich sein ganz eigenes Speicherprogramm, in dem er alte Glaubenssätze und Verhaltensmuster abgespeichert hat. Und diese Muster hat er über Jahre immer und immer wieder abgespielt und dadurch so verinnerlicht, dass er sie nicht von einem Tag auf den anderen ändern kann (zumindest nicht in den meisten Fällen).

Diese Mechanismen laufen unterbewusst ab. Wenn wir bewusst einen Gedanken ändern, wurde damit nicht automatisch das unterbewusste Programm mitverändert. Oft muss man das Unterbewusste erst an die Oberfläche holen.

Ein Beispiel: Du erlebst nach einer Trennung einen plötzlichen Wutanfall. Du bist wütend, dass dein Partner dich verlassen und dir das Herz gebrochen hat. Du bist wütend über das Verhalten der Person. Du fühlst Zorn und vielleicht sogar Hass.

Hinter der Wut, jedoch, steht unbewusst das Gefühl von Angst. Angst vorm Alleinsein. Angst davor, nicht gut genug zu sein. Es ist sehr schwierig, sich dieses Gefühl von Angst einzugestehen, denn wir verbinden es mit Schwäche; und Schwäche ist in unserer Gesellschaft in keiner Weise angesehen und das mussten wir früh lernen. Wir haben diese Angst verdrängt, sie ins Unterbewusstsein verbannt und sie mit Emotionen wie Wut abgedeckt, um sie bloß nicht mehr sehen zu müssen.

das schlechte gewissen

Die Chance, dich kennenzulernen

Nach einer Trennung hast du die Möglichkeit, diese unterbewussten Seiten kennenzulernen. Vielleicht ist das nicht etwas, was jeder von uns möchte. Doch jene, die es Leid sind, sich von einer Beziehung in die nächste zu stürzen, nur um dem Gefühl der Leere und der Angst vorm Alleinsein zu entkommen, werden bereit sein diese Seiten an sich zu ergründen.

Nicht selten erlebt man in Zeiten von Liebeskummer den Moment, in dem man sagt: “Ich habe genug. So etwas will ich nie wieder durchmachen müssen.” Das ist der Startschuss! Ich will etwas ändern. Ich will verstehen, warum ich so leide und was ich dagegen tun kann. Und dazu muss ich mich kennenlernen, muss ganz ehrlich mit mir sein und herausfinden, was in mir vorgeht.

Das ist der Prozess, den wir als Selbstfindung oder Selbsterkenntnis bezeichnen.

Kein Gedankengang, kein Verhaltensmuster, nichts darf mir mehr entgehen! Ich muss bereit sein, mich in meiner Gesamtheit zu betrachten.

Denn im Verstehen der Vorgänge, die in uns ablaufen, entsteht die Möglichkeit, sie zu ändern beziehungsweise fallen sie oft ganz von alleine weg.

Doch dazu muss ich lernen, mich zu beobachten. Mit all meinen Stärken und Fehlern, mit all meinen Ideen und Ansichten vom Leben, die mich dahin geführt haben, wo ich jetzt stehe. Und dann muss ich bereit sein, alles in Frage zu stellen, was ich bisher für wahr gehalten habe. Nur dann hat man eine wirkliche Chance, sein wahres Ich kennenzulernen. Und das ist nicht diese Persönlichkeit, die wir über die Jahre antrainiert und konditioniert haben! Du bist viel mehr als das (mehr zu diesem Thema findest du übrigens in meinem Buch: Das bist nicht du! Lebe deine wahre Natur und werde glücklich).

Und diese Bekanntschaft wird dein Leben verändern. Deine Ängste und deine Sorgen vor Einsamkeit und dem Alleinsein werden wegfallen und du wirst eine neue Art der Selbstliebe kennenlernen.

In diesem Prozess baut man ein ungeahntes Selbstwertgefühl auf, das nichts mit dem Ego von früher zu tun hat. Im Erkennen wer du bist, entwickelst du Verständnis und Liebe, nicht nur für dich selbst, sondern auch für andere.

Du wirst zu einem Quell des Glücks und ziehst damit nun auch all jene an, die sich in deiner Ruhe und Zufriedenheit baden wollen. Rastlosigkeit, Unruhe, Einsamkeit kennst du nicht mehr, denn du bist stets in bester Gesellschaft: in deiner.

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