Trennung – Eine Chance zur Selbstfindung

Jan 18, 2019

Verlassen worden und wieder alleine. Kein Grund in Selbstmitleid zu verfallen und die Welt zu verfluchen! Denn so eine Trennung gibt Dir die Chance, jemanden zu finden, den Du beinah aufgehört hast zu suchen: Dich selbst!

Eine kurze Geschichte des Egos

Ja, ich weiß, zur Zeit erträgst du dich selbst wahrscheinlich nicht gut. So eine Trennung nagt am Selbstwertgefühl und wirft viele Fragen auf: Was ist da schief gelaufen? Bin ich nicht gut genug? Bin ich nicht liebenswert?

Das Ego ist stark angeknackst, denn es ist gewöhnt, der Mittelpunkt eines jeden Universums zu sein. Na gut, eigentlich nur des eigenen, aber schließlich ist dies das einzige Universum, das wirklich zählt. Außer eben, wenn man einen Partner hat.

Tatsächlich ist dieses Ego so arrogant, dass es denkt, es sollte auch der Mittelpunkt des Universums unseres Partners sein. Wie kommt es eigentlich auf so eine Idee?

Betrachten wir doch einfach die Vergangenheit eines solchen Egos. Geboren wird es ja nicht zeitgleich mit dem Körper, sondern entwickelt sich erst im Laufe der Zeit, etwa ab dem 3.-5. Lebensjahr. Klein Ego ist es gewöhnt im Mittelpunkt zu stehen, denn Mama und der Rest der Familie haben stets ein Auge auf es. Man wird gelobt oder gerügt; in jedem Fall geht es um einen selbst.

Man wird älter und kommt in die Pubertät. Da ist es sowieso nur noch mit sich selbst beschäftigt. Jedes noch so unbedeutende Detail wird zur absoluten Wichtigkeit, sei es der Pickel auf der Stirn oder der ach so peinliche Sturz über eine Stufe, den man niemals verkraften wird. Oh Wunder, man ist noch hier … Dabei war man sich so sicher, dass „dies das Ende sei“.

Adoleszenz Ego beendet die Schule, und beim Abschluss (an dem Hunderte andere Schüler teilnehmen) fühlt man sich wieder mal ganz besonders. Kein Wunder, sind Eltern und Großeltern nur damit beschäftigt, das eigene Familienmitglied zu loben und zu fotografieren, als hätte es das Außergewöhnlichste der Welt vollbracht. Da platzen die Eltern vor stolz, wenn sie ihre eigene Brut sehen. Hat ja auch ihre Genetik. Das lässt so ein älteres Ego erstrahlen.

Wenn sich nun zwei dieser egozentrischen Persönlichkeiten treffen und ineinander verlieben, so geben sie einander alles, was ein Ego für sein Glück braucht. Komplimente, Streicheleinheiten, noch mehr Komplimente und Liebesschwüre. „Du bist wundervoll“, „Mit dir steht die Zeit still“, „Du bist das Beste, was mir je passiert ist“. Das gefällt einem Ego natürlich, denn es wurde ja schon seit seiner Kindheit von den verliebten Eltern darauf trainiert das Wertvollste zu sein.

Und auch wenn dies nicht der Fall sein sollte und man als Kind nicht nur Zuspruch erhalten hat, so haben wir dennoch ein starkes Ich-Bewusstsein aufgebaut, das dafür verantwortlich ist, dass wir uns und unser Leben überaus wichtig nehmen (Mehr zum Thema Ich-Bewusstsein und Trennung findest du im Artikel: Über eine Trennung hinwegkommen).

Aber das Ego kann auch anders als nur Schmus zu erzählen. Wenn es nicht bekommt, was es will, wird es trotzig und bösartig. Und wenn es zu einer Trennung kommt, ist es nicht selten verzweifelt, vor allem, wenn die Trennung vom anderen Ego gewünscht wurde.

Wie kann es sein, dass man für den anderen nicht mehr das Wichtigste ist? Man war doch sonst der Mittelpunkt von allem. Zumindest im eigenen Universum. Also dem einzigen Universum.

Eine Trennung nicht nur vom Partner

Ich weiß, dass es angesichts des überwältigenden Schmerzes einer Trennung nicht einfach ist das Positive im Ende der Beziehung zu sehen. Doch tut sich hier eine ganz besondere Möglichkeit auf, die einem meistens nur in Zeiten großen Kummers begegnet. Wir richten unseren Blick nach innen und stellen die Frage: Wer ist es eigentlich, der so unglaublich verletzt ist? Wer ist dieses Ich, das von Kränkung, Verletzung und Schmach spricht? (Siehe auch den Blogpost: Wer bin ich wirklich? Ein Blick nach innen.)

Im Augenblick der Liebe und des Glücks spricht keine Stimme in mir, die gekränkt ist und sich rechtfertigt oder andere beschuldigt. Ausnahmsweise besteht dann kein Konflikt in mir; die Stimme, die mir sonst sagt, was ich oder andere falsch gemacht haben und dass ich oder sie es besser hätten machen können, ist verstummt.

Diesen Zustand des inneren Friedens bezeichnen wir als “glücklich sein”. Wir sind mit all unseren Sinnen im Hier und Jetzt, fühlen das Prickeln bei jeder Berührung und das Kribbeln mit jedem Kuss. Diese vollkommene Aufmerksamkeit für den Moment empfinden wir als Glück.

Wir lieben diesen Zustand und glauben, er ist von äußeren Umständen abhängig (in diesem Falle von unserem Partner). Daher versuchen wir mehr von dem zu bekommen, was uns Glücksgefühle gibt und übersehen die Tatsache, dass es die Ruhe des inneren Kritikers ist, die uns aufmerksam und zufrieden macht.

Aber, wer oder was ist diese innere Stimme eigentlich, die scheinbar nie schweigen will? Sie kritisiert uns und andere und kommentiert und analysiert. Sie entscheidet, was gut oder schlecht und was falsch oder richtig ist. Wer ist dieser Kritiker – bin das nicht ich?

Aber warum würde ich mir Sachen sagen, die mir nicht gut tun? Und warum muss ich außen nach Dingen suchen, die mich innen zum Schweigen bringen?

Warum kann ich meine Gedanken nicht einfach abdrehen, wie das Licht mit einem Schalter? Ich kontrolliere schließlich meine Gedanken. Oder etwa doch nicht?

gruebeln nach Trennung

Kontrolliert durch das Unterbewusste

Ganz so einfach ist es leider nicht, wie jeder von uns selbst schon einmal feststellen musste. Wir können nicht auf Knopfdruck negative in positive Gedanken umwandeln. So funktioniert das nicht (Siehe auch den Blogpost: Positiv denken – egal, was kommt).

Und wenn wir bloß versuchen, negative durch positive Gedanken in unserem Kopf zu ersetzen, so werden wir schnell bemerken, dass wir uns dadurch trotzdem nicht besser fühlen. Nur weil der Verstand etwas anderes sagt als vorher, heißt das nicht, dass der Körper ihm glaubt.

Der Körper hat nämlich sein ganz eigenes Speicherprogramm, in dem er alte Verhaltensmuster abgespeichert hat. Und diese Muster hat er über Jahre immer und immer wieder abgespielt und dadurch so verinnerlicht, dass er sie nicht von einem Tag auf den anderen ändern kann (zumindest nicht in den meisten Fällen).

Diese Mechanismen laufen unterbewusst ab. Wenn wir bewusst einen Gedanken ändern, wurde damit nicht automatisch das unterbewusste Programm mitverändert. Oft muss man das Unterbewusste erst an die Oberfläche holen.

Ein Beispiel: Du erlebst nach einer Trennung einen plötzlichen Wutanfall. Du bist wütend, dass dein Partner dich verlassen und dir das Herz gebrochen hat. Du bist wütend über das Verhalten der Person. Du fühlst Zorn und vielleicht sogar Hass.

Hinter der Wut, jedoch, steht unbewusst das Gefühl von Angst. Angst vorm Alleinsein. Angst davor, nicht gut genug zu sein. Es ist sehr schwierig, sich dieses Gefühl von Angst einzugestehen, denn wir verbinden es mit Schwäche; und Schwäche ist in unserer Gesellschaft in keiner Weise angesehen und das mussten wir früh lernen. Wir haben diese Angst verdrängt, sie ins Unterbewusstsein verbannt und sie mit Emotionen wie Wut abgedeckt, um sie bloß nicht mehr sehen zu müssen.

Die Chance, dich kennenzulernen

Nach einer Trennung hast du die Möglichkeit, diese unterbewussten Seiten kennenzulernen. Vielleicht ist das nicht etwas, was jeder von uns möchte. Doch jene, die es Leid sind, sich von einer Beziehung in die nächste zu stürzen, nur um dem Gefühl der Leere und der Angst vorm Alleinsein zu entkommen, werden bereit sein diese Seiten an sich zu ergründen.

Nicht selten erlebt man in Zeiten von Liebeskummer den Moment, in dem man sagt: “Ich habe genug. So etwas will ich nie wieder durchmachen müssen.” Das ist der Startschuss! Ich will etwas ändern. Ich will verstehen, warum ich so leide und was ich dagegen tun kann. Und dazu muss ich mich kennenlernen, muss ganz ehrlich mit mir sein und herausfinden, was in mir vorgeht.

Das ist der Prozess, den wir als Selbstfindung oder Selbsterkenntnis bezeichnen.

Kein Gedankengang, keine Verhaltensmuster, nichts darf mir mehr entgehen! Ich muss bereit sein, mich in meiner Gesamtheit zu betrachten.

Denn im Verstehen der Vorgänge, die in uns ablaufen, entsteht die Möglichkeit, sie zu ändern beziehungsweise fallen sie oft ganz von alleine weg.

Doch dazu muss ich lernen, mich zu beobachten. Mit all meinen Stärken und Fehlern, mit all meinen Ideen und Ansichten vom Leben, die mich dahin geführt haben, wo ich jetzt stehe. Und dann muss ich bereit sein, alles in Frage zu stellen, was ich bisher für wahr gehalten habe. Nur dann hat man eine wirkliche Chance, sein wahres Ich kennenzulernen. Und das ist nicht diese Persönlichkeit, die wir über die Jahre antrainiert und konditioniert haben! Du bist viel mehr als das.

Und diese Bekanntschaft wird dein Leben verändern. Nichts wird mehr so sein, wie es einmal war. Vor allem dich, so wie du dich kanntest, wird es nicht mehr geben. Keine Angst, deine besonderen Charakterzüge werden immer bestehen bleiben, aber deine Ängste und deine Sorgen, einsam und nicht liebenswert zu sein, werden wegfallen.

In diesem Prozess baut man ein ungeahntes Selbstwertgefühl auf, das nichts mit dem Ego von früher zu tun hat, welches nicht davor zurückschreckte, andere zu benutzen, um sich selbst besser zu fühlen. Im Erkennen wer du bist, entwickelst du Verständnis und Liebe, nicht nur für dich selbst, sondern auch für andere (siehe auch den Blogpost: Selbstliebe – sich selber lieben lernen).

Du wirst zu einem Quell des Glücks und brauchst niemand anderes, um das Glück zu finden. Keine Rastlosigkeit, keine Unruhe, wenn du allein bist, du genießt es sogar. Einsamkeit kennst du nicht mehr, denn du bist stets in bester Gesellschaft: in Deiner.

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