Selbstfindung: Wer bin ich? (Teil 2)

Aug 5, 2019

Im ersten Teil haben wir die Gründe für die Suche nach sich selbst betrachtet, was sie uns bringt und wer es ist, der den Weg der Selbstfindung einschlägt. In diesem Artikel wollen wir uns mit den wichtigsten Fragen zur Selbsterkenntnis und ihren Antworten beschäftigen, um endlich sein wahres Ich zu finden.

Wer bin ich?

Ramana Maharshi, ein indischer Weiser, hielt dies für die einzig wichtige Frage auf dem Weg zur Selbstfindung.

Wer dieser Frage ernsthaft auf den Grund geht, wird über all seine erlernten Glaubenssätze stoßen und sie bei stetiger, genauer Untersuchung als unwahr anerkennen.

Die erste Antwort, die wir geneigt sind zu geben, ist unser Name. Bei ehrlicher Betrachtung ist dies allerdings lediglich eine Aneinanderreihung von Buchstaben, die zusammengesetzt einen Namen ergeben, den unsere Eltern uns bei der Geburt gegeben haben.

Das stimmt, werden wir einsehen, was ich bin, ist natürlich nicht bloß ein Name, ich habe schließlich auch einen Beruf und jede Menge Erfahrungen in diesem Leben gesammelt, die mich ausmachen. Nichtsdestoweniger sind das nicht mehr als Geschichten, die wir zu erzählen vermögen.

Wärst du woanders aufgewachsen und hättest eine andere Ausbildung gemacht – wärst du nicht trotzdem du?

Wer hat sich darüber nicht schon mal Gedanken gemacht: Wie wäre ich, wenn ich in einem anderen Umfeld groß geworden wäre? Uns ist also bewusst, dass da etwas ist, das die Erfahrungen und Erlebnisse hat.

Okay, jetzt ist es klar, hier ist man doch. Man ist dieser Körper mit allen Gedanken, Gefühlen und Emotionen. Klingt logisch, aber ist das wirklich so?

Selbstfindung: Was bin ich?

Sehen wir uns erst unsere Gedanken an. Es sind nicht mehr dieselben wie vor zehn Jahren und zugegebenermaßen wechseln sie sogar stündlich, wenn nicht gar minütlich. Die interessante Frage ist: Wer sieht das? Wer sieht, dass Gedanken kommen und gehen und nicht gleichbleiben? Ich, werden wir mit Recht antworten, und hier kommt wieder die Frage „Wer bin ich?“ ins Spiel.

Gleich verhält es sich mit unseren Gefühlen und Emotionen. Sie kommen und gehen, je nach Situation verändern sie sich innerhalb kürzester Zeit, aber ich bin immer hier, um diese Veränderungen zu sehen. Ich kann sogar feststellen, dass meine Reaktion dumm oder unpassend war. Von wo aus sehe ich das?

Und mein Körper? Mal war er klein, dann wurde er groß, er wird älter und ist manchmal krank und dann wieder gesund. Und all diese Veränderungen kann ich ebenfalls beobachten. Als ich mit 10 Jahren in den Spiegel gesehen habe, war da ein anderer Körper, der mich angesehen hat als heute. Aber eines ist immerzu gleich geblieben: dieses Ich-Gefühl.

Wie sehr wir uns auch verändern, wir wissen, dass es wir sind, und dazu müssen wir weder unseren Körper sehen (bei geschlossenen Augen weiß ich, dass ich bin) noch fühlen (Bsp. Locked-in-Syndrom).

Ich bin da drinnen, ich sehe aus diesen Augen heraus, ich empfinde und ich höre.

Ich kann Objekte außerhalb und innerhalb (Gedanken, Gefühle) beobachten, kann sie kommen und gehen sehen und bin selbst immer da. Wer ist der Seher all dieser Objekte?

Selbstfindung und Träume

Ich möchte hierzu ein wichtiges Beispiel anbringen, und zwar jenes unserer Träume. Man legt sich zu Bett und soweit wir das von anderen mitbekommen, hat man die Nacht auch dort verbracht. Und doch war man im Traum an einem fernen Ort, da gab es Fremde, die mit einem gesprochen haben und tatsächlich hat man sie auch gehört. Zudem haben auch wir gesprochen, wir haben gesehen und wir haben sogar Berührungen gefühlt.

Aber wie ist das möglich, wenn wir im Bett lagen und keinen Gebrauch von unseren Sinnen gemacht haben? Unser Verstand macht es möglich, er versorgt uns mit den Bildern und all der Sinneswahrnehmung. Und auch hier können wir wieder die wichtige Frage zur Selbstfindung stellen: Wer sieht die Träume?

Wer sieht das Ich im Traum, das vielleicht gar nicht wie du aussieht (wer kennt es nicht, jemand anderes im Traum zu sein) und doch weißt du intuitiv, dass es du bist?

Ist es nicht immer derselbe, der den Traum sieht, diese Zeilen liest oder eben in den Spiegel sieht?

Selbstfindung und Bewusstsein

Das stellen all dieser Fragen und das genaue Untersuchen, zieht uns aus der „Hypnose“, der wir unterliegen, wenn wir nur auf unsere Gedanken und Gefühle fokussiert sind. Hypnose?

Beobachtet man gewissen Leute, so scheinen sie regelrecht hypnotisiert von ihren Gedanken zu sein; sie sehen aus, als würden sie träumen: Sie sind unaufmerksam, schusselig und zerfahren, was daran liegt, dass sie ihre Aufmerksamkeit auf ihren Gedankenstrom gelegt haben, der in den wenigsten Fällen als geordnet bezeichnet werden kann.

Unser Verstand produziert Gedanken, aber das bedeutet nicht, dass wir jedem dieser Gedanken unsere volle Aufmerksamkeit schenken müssen.

Er spuckt lediglich das aus, womit er sein ganzes bisheriges Leben gefüttert wurde, und dass dies nicht immer förderlich für uns ist, vor allem, wenn man mit viel Negativen konfrontiert wurde, ist nachvollziehbar.

Die Frage „Wer sieht das?“ zieht uns aus diesem Gedankenstrom heraus und lenkt unsere Aufmerksamkeit weg von den Objekten auf das Subjekt. Dabei stellen wir fest, dass wir auch ohne Gedanken existieren können (Beispiel Meditation). Wir müssen auch nicht immerzu eine Emotion fühlen, um existent zu sein.

Das einzige, ohne dem wir nicht existieren können, ist Bewusstsein.

Wenn du für einen Moment die Augen zu und wieder aufmachst, kann dein Bewusstsein sofort alles wahrnehmen, was sich in deinem Sichtfeld befindet. Würde dein Verstand den Raum versuchen zu beschreiben, jedes Detail, jede Farbe … es würde Ewigkeiten dauern. In deinem Bewusstsein ist alles enthalten – ohne Beschreibung und ohne Urteil.

Wenn wir kein Bewusstsein haben (Beispiel Narkose oder Tiefschlaf) sind wir uns unseres „Ichs“ nicht bewusst. Wir können nichts erleben und nichts erfahren.

Wenn man uns nicht erzählen würde, dass wir da waren, wir wüssten es nicht. Wäre hingegen kein Objekt vor dir, aber dein Bewusstsein vorhanden, könntest du das und dich trotzdem wahrnehmen.

Dieser Sinn zu existieren ist nicht abhängig von unseren Gedanken, unseren Emotionen oder Gefühlen, sondern vom Bewusstsein. Es ist eine intuitive Erfahrung. Warum ist das für den Suchenden auf dem Weg der Selbstfindung solch eine Befreiung?

Selbstfindung und die Existenz

♦ Ist es nicht eine Erleichterung zu wissen, dass du nicht eine Person XY bist, die sich durch ihr Leben zu kämpfen hat, um ein wenig Glück zu ergattern, indem sie die Vorstellungen der Gesellschaft, der Familie und von sich selbst zu erfüllen hat?

♦ Ist es nicht befreiend zu wissen, dass das, was aus diesen zwei Augen heraussieht, niemand darstellen muss, sondern für sich genommen vollkommen ist, und durch seine bloße Existenz den Sinn seines Lebens erreicht hat, wie eine Blume, die blüht, ein Fisch, der im Wasser schwimmt oder alles andere in diesem Universum?

♦ Du kannst es nicht richtig und nicht falsch machen, denn für die Existenz gibt es diese Einteilung nicht. Sie ist von Menschen gemacht und erfunden, so wie der Beruf, den du ausübst, der Name, den du trägst und deine Vorstellungen davon, wie dein Leben auszusehen hat.

Diese Einsicht und diese Gelassenheit entwickeln sich, je bewusster du dir deines Bewusstseins wirst. Je tiefer du in diese Erfahrung gehst, umso mehr wirst du erkennen, dass alles, was du bisher geglaubt hast, nicht mehr als das ist: Glaube.

Dieser ist jedoch sehr tief verwurzelt und es bedarf etwas Zeit und sehr viel Achtsamkeit, um die Prozesse in sich zu beobachten, zu verstehen und schließlich aufzulösen (lies hierzu auch den Artikel: Achtsamkeit und Bewusstsein – ein erster Schritt).

Betrachte deine Gedanken und deine Emotionen ehrlich und möglichst unbeteiligt. Denke daran, dass du das Produkt aus Genetik und Konditionierung bist, und dass vieles, woran du glaubst und wie du bist, dir in die Wiege gelegt wurde, und du weder dich noch jemand anderes dafür verurteilen musst.

 

Selbstfindung und Lebensziel

Es ist erstaunlich, wie sehr sich das Leben für jene verändert, die den Weg der Selbstfindung einschlagen. Das Schönste dabei ist, sich selbst wiederzufinden. Was heißt das? Unter all den Lagen an Glaubenssätzen und Vorstellungen taucht nach und nach dieses freundliche, liebende Wesen auf, dass sich nichts mehr wünscht, als glücklich zu sein.

Man strebt plötzlich gar nicht mehr nach all den Dingen, die man vorher verfolgt hat. Irgendwie fühlt man sich zufriedener und ausgeglichener, manchmal motivierter und manchmal weniger.

Man hört auf sich, auf seinen Körper und den Rhythmus, den dieser vorgibt. Man zwingt sich nicht mehr zu etwas, das einem nicht guttut.

Nicht nur an sich, sondern auch an den Menschen, die einen umgeben, entdeckt man so viel Neues und Spannendes, wofür man vorher nicht aufmerksam genug war. Man empfindet keinen Neid mehr, sieht die anderen nicht als Konkurrenz und entwickelt ein Bewusstsein dafür, dass das Leben gemeinsam einfacher und besser wird.

Die Erfahrungen, die wir machen, mögen für jeden unterschiedlich sein, doch das Bewusstsein, mit der wir diese erfahren, ist für uns alle dasselbe, zu jeder Zeit und an jedem Ort.

Das ist es, was die sogenannten Weisen uns über Jahrtausende versuchten, begreiflich zu machen. Das ist es, was dich gelassener und entspannter macht, was dir den unbezwingbaren Frieden deines Verstandes schenkt, den du endlich auf richtige Art und Weise zu nutzen weißt, und von dem du dich nicht mehr benutzen lässt.

Lehn dich zurück, entspann dich, fühl in dich und öffne dich für das, was wirklich zählt in diesem Leben: Friede, Glück und vor allem Liebe. Ist es nicht interessant, dass jeder von uns weiß, wie sich das anfühlt, egal, welche Erfahrungen er gemacht hat? 

Was wäre, wenn Liebe nicht nur der Urgrund all dessen, was wir Leben nennen wäre, sondern auch das Ziel, dem wir alle entgegenstreben? Und was, wenn es tatsächlich in jedem von uns zu finden wäre? Diese Suche würde sich doch auf alle Fälle lohnen.

Hier geht’s zum 1. Teil der Selbstfindungsreihe: Selbstfindung: Die Suche nach sich selbst.

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