Wieso bin ich nicht glücklich?

Apr 10, 2019

Der eine sagt: „Ich habe doch alles, was ich brauche. Ich habe erreicht, was ich erreichen wollte. Ich habe getan, was ich für richtig gehalten habe.“ Während der andere lamentiert: „Ich habe meine Chancen verspielt. Ich habe alles falsch gemacht. Ich bin ganz unten angekommen.“ So unterschiedlich diese Situationen klingen mögen – beiden ist etwas gemein: Der Betroffene ist nicht glücklich.

Nun mag man vielleicht denken, derjenige, der unten angekommen sei, habe allen Grund nicht glücklich zu sein, während jener, der den scheinbaren Erfolg im Leben für sich verbucht hat, keinen hat.

Und doch ist das Leid der beiden nicht unähnlich, denn sie sehen sich in einer Sackgasse, aus der es kein Entkommen zu geben scheint. Um sich das Gefängnis der Welt und kein Ausgang in Sicht. Und selbst, wenn man ihn sähe – wer hat den Schlüssel, um einen hinauszulassen?

Eine echte Chance glücklich zu werden

Was unseren beiden Gefangenen noch nicht bewusst geworden ist, ist Folgendes: Sie haben einen Punkt im Leben erreicht, der eine wahrhaftige Chance ist glücklich zu werden.

Sie haben allerdings etwas sehr Wichtiges ebenfalls noch nicht verstanden, und das ist der Grund, warum es so viele nicht aus ihrer Depression heraus schaffen. Das Gefängnis sind sie selbst (siehe auch: Freiheit und frei sein – was bedeutet es wirklich?).

Die Chance, die sich den beiden bietet, ist, diese Tatsache zu erkennen, denn daraus ergibt sich die Möglichkeit es zu verlassen.

Und man muss bereit sein, den Tatsachen ins Auge zu sehen, wenn man etwas ändern möchte. Und noch etwas braucht es: Den unbedingten Wunsch etwas zu verändern.

Und wenn man unzufrieden, nicht glücklich, ganz unten angekommen ist und keinen Sinn mehr sieht, dann hat man nichts mehr zu verlieren. Jemand ruft dir zu: „Ich weiß, wo der Schlüssel ist! Da draußen ist eine Freiheit, wie du sie dir nicht erträumen kannst! Glaub mir!“

Glauben … Den hat man schon längst verloren. Aber irgendetwas rührt sich in einem. Ist das Hoffnung? Vielleicht, ja, vielleicht gibt es doch eine Welt auf der anderen Seite der Gitterstäbe.

Erster Schritt gegen „nicht glücklich sein“: Aufmerksamkeit.

Das Zugeständnis. Ja, man ist nicht glücklich. Es ist nicht schwer, sich das einzugestehen, denn man fühlt es mit jeder Zelle seines Körpers, denken sich unsere Gefangenen, doch was machen sie als Nächstes? Sie lenken sich ab, und versuchen diesem unangenehmen Gefühl aus dem Weg zu gehen.

Unser erfolgreicher Insasse versucht es mit Arbeit und Erledigungen und der am Boden liegende verfällt in ein anderes Suchtverhalten wie unkontrolliertes Essen, Kaufsucht, Alkohol oder Psychopharmaka. Beide laufen ihr gewohntes Programm im Circulus vitiosus des eigenen Gefängnisses.

Der erste Schritt wäre also innezuhalten und den Prozess beobachten. Warum möchte ich mich in Arbeit oder auf den Onlineshop/den Kuchen/den Drink usw. stürzen? Was ist so unerträglich, dass ich davor davon laufen möchte?

Es bedarf viel Aufmerksamkeit, um die Vorgänge in sich selbst zu enttarnen.

Für jemanden, der seit Jahrzehnten das gleiche Programm fährt, ist das nicht ganz einfach. Aber das war erst der Anfang – unser nächster Schritt wird nicht einfacher.

nicht glücklich essen

Zweiter Schritt gegen „nicht glücklich sein“: Zulassen.

Klingt im ersten Moment vielleicht nicht so schlimm, aber wer mit Angstzuständen und Panikattacken zu kämpfen hat, weiß wie schwer es ist Gefühle zuzulassen.

Unser Körper versucht auf diese Art die Energie, die mit den negativen Gedanken einhergeht loszuwerden. Indem wir davonlaufen und dem Körper nicht die Möglichkeit geben, sie abzugeben, muss er sie irgendwo im System ablegen. Körperliche und seelische Krankheiten sind die Folge.

Das Zulassen dieser Emotionen mag momentan unerträglich erscheinen, wird jedoch im Zuge der Wiederholung von Mal zu Mal besser und verschwindet schließlich im Laufe der Zeit.

Dabei ist es allerdings sehr wichtig, unbeteiligt zu bleiben und sich nicht gedanklich weiter in die Emotion hineinzusteigern. Wenn man lernt, die Emotion zu beobachten ohne sich selbst oder sonst jemanden zu verurteilen, kann man die Verbindung der Gedanken mit dem Gefühlsausbruch unterbrechen.

Je öfter man diesen Prozess wiederholt, desto größer ist die Chance, dieses Verhaltensmuster aufzulösen.

Wichtige Ingredienz um durchzuhalten: Glauben.

Nein, damit ist kein religiöser Glaube oder irgendein blinder Glaube an etwas Unbekanntes gemeint.

Vielmehr ist es ein Wissen um etwas, das man vielleicht jetzt noch nicht erlebt hat, aber von dem man weiß, das es möglich ist.

Wir wissen, dass es Menschen gibt, die glücklich sind. Wir wissen, dass es Menschen in weitaus schlimmeren Situationen als unserer gibt, die dennoch glücklich sind.

Wir erinnern uns, dass auch wir glückliche Momente in diesem Leben hatten und auch wenn wir in diesem Augenblick nicht wissen, wie wir wieder glücklich werden können, so wissen wir tief in unserem Inneren, dass es möglich ist. Und das reicht.

Glaube daran, dass es anders sein kann!

Eine weitere wichtige Ingredienz gegen „nicht glücklich sein“: Offenheit.

Verstehe, dass es dein ganz persönliches Programm und deine Konditionierung waren, die dich an den jetzigen Punkt gebracht haben. Wenn du aus deiner Misere heraus möchtest, dann verteidige sie nicht! Halte nicht an ihnen fest!

Das ist ein unheimlich schwieriges Unterfangen, denn wir haben uns so sehr an unsere Verhaltensmuster gewöhnt, dass wir dieser Stimme in unserem Kopf, die uns den ganzen Schlamassel beschert hat, auch noch loyal gegenüber sind.

„Eigentlich mag ich meine Melancholie. Eigentlich mag ich meinen übertriebenen Ehrgeiz. Eigentlich mag ich es so dramatisch zu sein.“ Man hält das für seine Einzigartigkeit und meint, man wäre nicht mehr man selbst, wenn man diese Eigenschaften verlieren würde.

Und das obwohl man Minuten vorher gesagt hat, man ertrage sich nicht mehr und wäre gerne jemand anderes oder vielleicht sogar tot. Was für eine Heuchelei!

Weitere Ingredienz: Verzeihen.

Verzeihe dir, dass du ein Heuchler bist, schließlich bist du es nur, weil du zu unaufmerksam warst. Verzeihe dir deine Unaufmerksamkeit. Du wusstest nicht, dass du eine Wahl hast, sondern hast geglaubt, was man dir so viele Jahrzehnte eingeredet hat.

Verzeihe auch allen, die dich beeinflusst haben, denn auch sie haben es nicht besser gewusst. (Vergleiche den Ausspruch Jesu „Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun!“).

Erkennst du langsam, woraus das Gefängnis wirklich besteht?

nicht glücklich gefangen

Nächster Schritt (Nummerierung wird aus Gründen der Vergesslichkeit weggelassen) gegen „nicht glücklich sein“: Veränderung!

Nun also, was an dir willst du verändern? Warum meinst du, dass du nicht glücklich bist?

Bist du unaufmerksam, unkonzentriert, schnell gelangweilt, kannst dich zu nichts aufraffen oder bist rastlos und getrieben?

Ändere es! Und ja, es ist möglich. Folgende Ingredienz wird benötigt: Wille!

Erst haben wir mit unserer vollen, ungeteilten Aufmerksamkeit die negativen Gedanken aufgespürt, die zu unserem Unwohlsein führen. Wir haben sie als unser altes Programm akzeptiert und unserer Konditionierung verziehen. Nun sind wir bereit sie zu ändern. Aber wie?

Das meiste hast du bereits mit der Aufmerksamkeit, Akzeptanz und dem Verzeihen erreicht.

Jetzt kannst du mit positiven Affirmationen oder Autosuggestion (je nachdem welcher Begriff dir mehr zusagt) dein Unterbewusstsein neu programmieren (siehe auch: Visionen haben und eine neue Zukunft erschaffen).

Dein Unterbewusstsein ist nämlich der Ort, an dem deine tief verwurzelten Glaubensvorstellungen liegen, die dich dein Leben lang beeinflusst haben. Es wird ein wenig Zeit brauchen sie zu ändern, aber damit ist Zeit weitaus besser genutzt, als wenn man nicht glücklich ist.

Daher sind Wille und Glaube sehr wichtig, denn du wirst Wille brauchen, um dich immer und immer wieder aufzuraffen, und du wirst Glaube brauchen, damit du einen Grund dafür siehst.

Und der Grund ist der Schlüssel, der das Tor zur Freiheit öffnet, der die Gitter des Gefängnisses schmelzen lässt und dir Wellen aus Freude und Glück offenbart, die emporsteigen in einem Meer, das aus Weisheit und Liebe entstand. Und wenn du es mit geschlossenen Augen siehst, wenn du seinen Duft riechst und du das Salz an deiner Haut fühlst ohne noch darin zu baden, entfacht das Wissen in dir und du greifst nach dem Schlüssel – der seit jeher in deiner Hand gelegen hat.

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