Vertrauen in der Beziehung. Wie behält man es?

Mrz 6, 2019

Es ist ein Problem, mit dem viele Menschen in ihrer Partnerschaft zu kämpfen haben: Vertrauen. Obgleich nie von einem Partner hintergangen, plagt sie das Gefühl der Unsicherheit. Womöglich ist man weniger interessant oder attraktiv für den anderen geworden. Ein Kompliment oder ein Lob hat man lange nicht mehr gehört. Die Angst betrogen oder verlassen zu werden nimmt stetig zu. Warum fällt manchen von uns das Vertrauen in einer Beziehung so schwer und wie kann man Abhilfe schaffen?

Wann verlieren wir Vertrauen?

Als Kinder war es für uns selbstverständlich, Vertrauen in unsere Umwelt zu haben und den Menschen offen und ohne Vorurteile zu begegnen. Im Laufe unseres Lebens werden wir mit Enttäuschungen konfrontiert, die unsere Einstellungen ändern und die wir für zukünftige Ereignisse heranziehen.

Wer in einer Partnerschaft enttäuscht wurde und Ablehnung erfahren hat, speichert diese Erlebnisse ab und fühlt sich in seinen darauffolgenden Beziehungen im Recht, wenn er weniger Vertrauen in den Partner hat. Dass dieses Misstrauen, jedoch, ein wahrer Beziehungskiller ist, können die meisten von uns bestätigen.

Niemand lässt sich gerne unterstellen, nicht vertrauenswürdig und integer zu sein. Und kaum jemand schätzt es, zig von Kontrollanrufen zu erhalten, wenn er sich ohne den Partner außer Haus bewegt. Diejenigen, die es tun, genießen die Aufmerksamkeit, die sie erhalten, da sie selbst ein Gefühl der Unsicherheit mit sich herumschleppen, und so zumindest die Bestätigung bekommen, dass sich jemand für sie interessiert.

Unsicherheit oder Intuition?

Die eigene Unsicherheit entpuppt sich demzufolge als Ursache für das geringe Vertrauen in eine andere Person. Angst verlassen oder betrogen zu werden, und die Angst nicht gut genug für den anderen zu sein, sind Anzeichen für Selbstzweifel und jemand, der bereits eine solche negative Erfahrung gemacht hat, wird es als sein gutes Recht ansehen, misstrauisch zu sein und den anderen zu kontrollieren und zu beobachten. Wer Schlechtes erlebt hat, wird diese Unsicherheit dann sogar als Intuition beschreiben.

Doch diese Intuition von welcher die Rede ist, ist weit mehr als die an der Oberfläche schwimmende Angst vorm Verlassenwerden.

Es ist unser tiefes Verständnis, dass alles in diesem Leben irgendwann zu einem Ende kommen wird.

Alles ist vergänglich, jedes Objekt und jede Beziehung ob zu Partnern oder Freunden werden eines Tages der Vergangenheit angehören. Und niemand kann sagen, wann es soweit sein wird. Schon morgen könnte sich aufgrund einer Naturkatastrophe oder eines sonstigen Ereignisses unser gesamtes Leben, wie wir es bisher kannten, verändern und nie mehr so sein wie früher.

Und wir wissen das. Auch wenn wir von solchen Vorfällen nicht selbst betroffen waren, wir wissen, dass es sie gibt.

Daher ist uns auch bewusst, dass die gegenseitig empfundene Liebe, die wir heute genießen, morgen längst vorbei sein könnte, wenn unser Partner sich plötzlich anderweitig verliebt oder das Interesse an uns verloren hat.

Und wie viele von uns wissen, kommen solche Augenblicke manchmal wie aus dem Nichts, ganz ohne Vorwarnung, und es fühlt sich an, als würde man uns den Boden unter den Füßen wegziehen. Alles, was man für wahr und sicher gehalten hat, wird einem entzogen und ein großes Schild wird uns präsentiert, auf dem ein Wort prangt: abgelehnt!

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Erwachsen werden

Irgendwann müssen wir aus unserer kindlichen Naivität erwachen und mit unserer Lebenserfahrung der Wahrheit ins Gesicht blicken: Es gibt keine 100%ige Sicherheit in dieser materiellen Welt.

Nichts ist für die Ewigkeit und daher können wir nicht darauf vertrauen, niemals verlassen oder betrogen zu werden.

Wir können nicht wissen, ob unser Partner sich nicht morgen schon von uns abwendet. Ob er sich in jemand anderes verlieben wird. Er oder sie weiß das doch selbst nicht einmal.

Grundlegend gesprochen, vertrauenswürdig ist nur das, was stabil ist und sich niemals ändert; etwas, was immer präsent und damit zuverlässig ist. Sind das Eigenschaften, die auf einen Menschen zutreffen? Ändern wir nicht ständig Ansichten und Meinungen? Selbst unsere Persönlichkeit müssen wir mehrmals am Tag wechseln, wie Masken in einem antiken griechischen Theater. Je nachdem ob wir uns im Beruf oder im privaten Alltag befinden, packen wir den harten Geschäftsmann oder die taffe Businessfrau aus, um uns abends auf der Couch liebend an unseren Partner zu kuscheln.

Unser Gemütszustand ist nicht statisch und unveränderbar. Er verändert sich über Jahre, Tage, Stunden und manchmal sogar Sekunden.

Ja, es ist wahr, nur weil man uns heute liebt, heißt das nicht, dass es morgen nicht jemand anderes ist.

Aber das ist kein Grund in Panik zu geraten und misstrauisch gegenüber jedem zu werden. Denn wenn wir anfangen, nach und nach alle Tatsachen klar zu sehen, werden wir feststellen, dass wir keine Angst davor haben müssen, verlassen zu werden und einsam zu bleiben.

Warum uns Vertrauen so wichtig ist

Wieso haben wir so große Angst davor, verlassen und abgelehnt zu werden?

Die Antwort ist, weil wir unser Glück und unsere Identität von diesem Menschen abhängig gemacht haben.

Wir haben viel in diese Beziehung investiert: uns und unser Glücklichsein.

Investiert in eine Person, die sich auf eine ganz bestimmte Art und Weise verhält, nämlich auf eine, die uns ein gutes Gefühl gibt, und so gesehen, wurden wir von dieser Beziehung geformt und konditioniert. Ebenso erhofft man sich, dass auch die andere Person von unserem Verhalten geformt wurde und uns für ihr Glück braucht. Dann wären unsere Liebe und unser Glück jeweils vom anderen abhängig und wir könnten in Koexistenz leben.

Außerdem wollen wir die Sicherheit, dass all unsere Investitionen nicht umsonst waren. Sicherheit, dass all die Zeit und die Gefühle, die wir in die Partnerschaft gesteckt haben, nicht umsonst waren. Sicherheit, dass man uns ebenso viel zurückgeben wird, wie wir gegeben haben. Wehe dem also, der andere käme auf die Idee, uns zu verlassen.

Eheschwüre und Verträge müssen her, um zu besiegeln, was gerne als Liebe bezeichnet wird, sich jedoch als ein Zusammensein aus Angst und Unsicherheit heraus entpuppt. Besitzansprüche, die gestellt werden, Versprechen, die zu halten sind. Und alles soll am besten so bleiben, wie es einmal war.

Vertrauen und Ehe

Das Nummer 1 Problem in Beziehungen

Dieser Besitzanspruch ist mit Abstand das größte Problem in Beziehungen. Wir schaffen ein Bild in unserem Verstand von der Person, mit der wir zusammen sind, und betrachten sie als ein Objekt, das zu unserem Wohlbefinden beitragen soll. Aufgrund dieses geschaffenen Bildes im Kopf fällt es den Leuten so schwer, eine Veränderung der Person zu akzeptieren, die zweifellos stattfinden wird (wir erinnern uns: Alles verändert sich).

Plötzlich verhält sich der Partner nicht mehr so, wie wir es gewohnt sind, trägt nicht mehr zu unserem Wohlbefinden bei und schürt damit das Gefühl der Unsicherheit in uns. Dabei wünschen wir uns doch nichts mehr als sicher zu sein.

Da wir Sicherheit allerdings nur in etwas Unveränderbaren finden könnten, das es, wie wir bereits festgestellt haben, in unserer materiellen Welt nicht gibt, stehen wir vor einem Problem. Wem soll ich noch vertrauen?

Vertrauen in uns Selbst

Es ist ein so wichtiger Punkt, den man nicht oft genug predigen kann:

Das Glück, das wir suchen, werden wir niemals in einer anderen Person oder irgendwelchen Objekten finden!

Das Glück oder Glücklichsein ist etwas, das aus uns erwächst – das wir innehaben.

Wenn wir glauben, unsere Kraft, Freude und die positivsten Gefühle aus der Beziehung mit einer bestimmten Person zu schöpfen, werden wir früher oder später mit der Angst konfrontiert, diese zu verlieren, da wir intuitiv wissen, dass das Leben uns eines Tages alles nehmen wird, spätestens dann, wenn wir sterben.

Um dieses Glück und das Gefühl der Sicherheit, nachdem wir suchen, zu finden, bedarf es einer Wendung unserer Aufmerksamkeit von den Objekten da draußen in unser inneres Selbst. Nur dieses eigene Selbst war stets mit uns, hat uns nie verlassen und wird es auch nicht tun.

Mit diesem Selbst ist nicht die Persönlichkeit gemeint, die wir uns im Laufe unseres Lebens erschaffen haben, denn die hat sich fortwährend gewandelt, wie wir festgestellt haben.

Wenn wir für einen Moment die Außenwelt mit all ihren Objekten ruhen lassen, unseren Gedanken und den Konflikten in uns eine Auszeit gönnen, und nur dieser inneren Stille lauschen, die immerzu präsent ist, dann kommen wir unserem wahren Selbst ein Stückchen näher. Oft reichen schon einige Minuten aus, um uns aus dem größten Strudel an Selbstzweifeln und Vorwürfen zu ziehen.

Mut zur Ehrlichkeit

Plötzlich erscheinen uns die Dinge klarer, und wir können damit beginnen, vollkommen ehrlich mit uns zu sein. Warum habe ich kein Vertrauen in meinen Partner? Was erwarte ich von dieser Beziehung? Habe ich Besitzansprüche und glaube, dass mir die andere Person irgendetwas schuldig ist?

Im ehrlichen Beantworten dieser Fragen und dem Betrachten der Tatsachen, machen wir uns von vielen unserer selbstauferlegten Konzepte frei. Dieses Freiwerden von zurückgehaltener Energie, die wir als Stress, Anspannung usw. empfunden haben, nehmen wir dann als Ruhe und Entspannung wahr. Wir fühlen uns leichter, als hätte man eine schwere Last, die man seit Jahren mit sich herumgeschleppt hat, von uns genommen.

Packesel Vertrauen

Diese Leichtigkeit bringen wir in unsere Beziehungen, und tatsächlich wird es sehr viel einfacher für uns mit Vertrauensangelegenheiten umzugehen.

Das macht uns insgesamt glücklicher, und wir stellen fest: Ja, wirklich, das Glück ist in mir selbst zu finden und nicht von jemand anderes abhängig. Dadurch entwickeln wir eine korrekte Beziehung zu unseren Partnern, weil wir sie nicht mehr als ein Objekt ansehen, das uns glücklich zu machen hat. Wir haben uns frei gemacht von den Ketten des Glaubens, dass wir unser Glück draußen in der Welt finden müssen, egal ob im Beruf, in einer Beziehung oder sonst einem Objekt.

Je freier wir uns fühlen, desto mehr Freiheiten gesteht man auch allen anderen zu.

Und je weniger man fordert, je weniger man von anderen braucht, desto größer wird die Tiefe der Liebe und das Vertrauen ineinander. Unsere Beziehungen werden humorvoller, spielerischer, spontaner und warmherziger.

Wir sind mit anderen zusammen, weil wir gerne mit ihnen zusammen sind und ihre Gesellschaft genießen, weil wir Freude mit ihnen haben und uns gut fühlen.

Wir haben Vertrauen, weil wir wissen, dass wir keine Angst davor haben müssen, zurückgelassen zu werden oder einsam zu sein. Menschen begleiten und verlassen uns auf unserem Weg, viele werden wir gehen und ziehen lassen müssen.

Und doch, selbst, wenn sie eines Tages alle von mir gegangen sein sollten und nur ich zurückbleibe, so weiß ich ganz gewiss: Ich bin nicht allein. Ich war es nie und nie werd ich es sein. Ich schließ die Augen und schaue mit meinem Herzen, und da seh ich es ganz deutlich: Da tanzt das ganze Leben und lacht und freut sich ewig mit mir.

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