Selbstwert in Beziehungen. Ohne dich …

Nov 11, 2019

Wenn wir einen Partner haben, fühlen wir uns besser. Wir sind selbstbewusster, mutiger und trauen uns mehr zu. Aber warum ist das eigentlich so? Wird unser Selbstwert von anderen Menschen bestimmt?

Ohne dich …

… fühle ich mich klein.

… weiß ich nichts mit mir anzufangen.

… ist alles weniger farbenfroh.

So oder ähnlich drücken wir unsere Liebe zum Partner aus. Oder unser geringes Selbstwertgefühl. Denn wie schmeichelhaft diese Aussagen auch sein mögen, so versteckt sich hinter ihnen der Subtext „Ohne dich fühle ich mich weniger wert.“

Wenn es um den Selbstwert geht, gestehen sich viele von uns nur ungern ein, dass er geringer ist, als vorgegeben. Hier die beruhigende Nachricht: Kaum ein Mensch, der nicht an diesem Problem leidet.

Ein geringer Selbstwert bzw. das Gefühl „Nicht gut genug zu sein“ ist ein universelles Empfinden, das aus unserer Kindheit rührt.

Selbst jene, die in der Gesellschaft als überheblich, arrogant oder selbstgefällig auffallen, sind dies aus einem tief verwurzelten Gefühl des Nichtgutgenugseins“.

Übertriebener Stolz bzw. Arroganz sind die Überkompensation eines Minderwertigkeitsgefühls.

Da die Betroffenen sich allerdings nicht schlecht fühlen, im Gegensatz zu jenen, die sich für einen Versager halten, ist ihnen dieser Umstand nicht bekannt. Würden sie einen starken Selbstwert haben, müssten sie ihr Umfeld nicht degradieren und herablassend behandeln.

Beiden Gruppen fehlt es an Selbstliebe, die nicht nur sie selbst, sondern auch ihr Umfeld glücklicher machen würde.

Woher kommt ein geringer Selbstwert?

Unser Selbstwert wird bereits im Kindesalter geprägt. Da man als Kind nicht alleine für sich sorgen kann, sind wir auf die Liebe unserer Eltern angewiesen, um zu überleben. Früh erkennen wir, dass gewisse Verhaltensweisen besser ankommen als andere.

Wenn unsere Eltern ein Verhalten nicht gut heißen, verstehen wir das als Kinder so, als wäre etwas mit uns nicht in Ordnung. Und je älter wir werden, desto öfter hören wir, was wir noch alles zu lernen haben. Das gibt uns das Gefühl, nie „vollständig“ oder „ganz in Ordnung“ zu sein und uns stets verbessern zu müssen.

Wir fühlen uns demzufolge nie „gut genug“. Und da wir das Programm „Geliebt werden, um zu überleben“ aus der Kindheit abgespeichert haben, sehen wir es als eine Art Bedrohung, wenn wir nicht geliebt werden.

Wir streben in der Gesellschaft nach Anerkennung, weil diese ebenfalls unser Überleben sichert. Im ständigen Vergleich mit den anderen, versuchen wir, uns zu verbessern, um „gut genug“ und „wertvoll“ zu sein. So verstärken wir die Verhaltensmuster weiter und weiter und unser Selbstwert sinkt.

selbstwert kinder

Selbstwert und Partnerschaft

Wenn wir jemanden kennenlernen, spielen neben diesen tief verwurzelten Konzepten, auch andere familienbezogene Konditionierungen eine Rolle.

Sie alle wurzeln jedoch in diesen beiden Fehlinterpretationen:

♦ Ich bin nicht gut genug und

♦ mein Überleben ist bedroht, wenn ich nicht geliebt werde.

Andere Konditionierungen, die für Partnerschaften relevant sind, sind zum Beispiel:

♦ Man hat wenig Aufmerksamkeit in der Kindheit bekommen,

♦ wurde mit Liebesentzug bestraft,

♦ sehr autoritäre Eltern,

♦ man wurde nicht ernst genommen usw.

Das alles hat einen Einfluss darauf, wie unser Selbstwert in der Beziehung ist.

Nehmen wir an, wir haben in der Kindheit wenig Aufmerksamkeit bekommen. Wenn wir nun jemanden kennenlernen, der uns seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt, dann ist das genau das, was uns immer gefehlt hat. Wir erleben ein Hoch und werden abhängig von diesem Gefühl und damit von der Person.

Der Partner löst mit seinem Verhalten das Mangegefühl in uns auf – wir fühlen uns vollständig. Unser Selbstwert steigt.

Nun wollen wir diese Person nicht mehr verlieren, denn sie gibt uns schließlich, was uns so lange verwehrt wurde. Wir entwickeln eine Verlustangst und mit ihr ein Verhalten, das oftmals zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung wird.

Die Liebe ist in uns

Fälschlicherweise glauben wir also, dass es die andere Person ist, die uns vervollständigt.

Doch das Gefühl nun „ganz“ zu sein, hat seine Ursache in dem Umstand, dass unser Mangegefühl verschwunden ist. Wir haben für einen Moment mit dem „Suchen“ aufgehört.

Zur Erinnerung: Dieses „Suchen“ bezeichnet unser ständiges „besser sein wollen“, das uns seit der Kindheit anerzogen wurde. Der Denkfehler, den die Mehrheit der Bevölkerung mit sich herumträgt, ist jener, dass wir meinen, diese Verbesserung durch äußere Umstände zu erreichen.

Sei es der bessere Job, mehr Wissen, mehr Ansehen, mehr Geld, ein Partner usw. Das ursprüngliche Mangelgefühl, versuchen wir nun, ständig durch äußere Umstände zu kompensieren und dadurch einen höheren Selbstwert zu erlangen.

Die Liebe, die wir mit dem anderen Menschen empfinden, beruht also auf dem kurzweiligen Fallenlassen des suchenden „Ich-Bewusstseins“. Dieses verschleiert unsere wahre Natur, die man als Liebe und Glück bezeichnen könnte.

Das ist auch der Grund, warum wir uns zu sehr kleinen Kindern hingezogen fühlen, die dieses „Ich-Bewusstsein“ noch nicht ausgeprägt haben. Sie sind offen, fröhlich und haben keine Angst. Tatsächlich sind das natürliche Eigenschaften des Menschen!

Liebe ist in uns, nicht in der anderen Person. Wir empfinden diese Liebe schließlich auch, wenn wir an die Person denken. Sie muss demzufolge nicht einmal anwesend sein, damit wir Liebe empfinden können. Das bedeutet, dass die Liebe nicht außerhalb von uns zu finden ist. Sie ist immer da. Wir verschleiern sie nur mit all unseren Mangegefühlen.

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Wie erhöhen wir unseren Selbstwert?

Wenn es um Selbstwert und Selbstvertrauen geht, sind Achtsamkeit und Ehrlichkeit mit sich die wichtigsten Punkte.

Achtsamkeit bedeutet, bewusst die eigenen Dynamiken zu beobachten und seinen Gefühlen und Emotionen gegenüber aufmerksam zu werden.

Sei ehrlich mit dir.

♦ Bist du eifersüchtig und kontrollierst, weil du Angst hast deinen Partner zu verlieren? Warum hast du Angst vorm Alleinsein?

♦ Hältst du dich für weniger wertvoll, wenn du alleine bist? Warum?

Die Antworten auf diese Fragen, rühren aus tief verwurzelten Glaubenssätzen, die wir von unseren Eltern oder unserem Umfeld haben.

Zum Beispiel Aussagen wie „Mit 30 sollte man schon verheiratet sein und eine Familie haben“ oder „Man kann nichts unternehmen, wenn man keinen Partner hat.“

Wenn du Vorstellungen wie diese auf ihren Wahrheitsgehalt prüfst, musst du dir zwangsläufig eingestehen, dass nichts davon stimmt. Je nach Land, Kultur und Tradition sehen diese Wertvorstellungen nämlich anders aus, also können sie nicht allgemeingültig sein. Warum sollte man sich daher wegen ihnen einen geringeren Selbstwert zuschreiben?

Dein Selbstwert sollte nie von äußeren Umständen und anderen Menschen abhängen. Nimm dir Zeit für dich und lerne dich kennen, dann wirst du feststellen, dass all die wunderbaren Gefühle, nach denen du suchst, in dir zu finden sind. Sie sind deine wahre Natur – wir haben nur über die Zeit vergessen, wer wir wirklich sind. Fang an dich zu erinnern.

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