Selbstliebe – sich selber lieben lernen

Mrz 25, 2019

Selbstliebe. Dieses Wort. Es löst Abneigung oder Zuneigung aus. Die unterschiedlichen Konnotationen, die ihm anhaften, sind wohl den Gruppierungen zuzuordnen, mit denen man es in Verbindung bringt. Hippie-Bewegung. Psychologie. Spiritualität. Diese Menschen, die man so gern als verqueren Teil unserer Gesellschaft ansieht. Manch einer würde das Wort „verquer“ lieber vor „Gesellschaft“ setzen. Denn Selbstliebe sollte nicht nur von einem Teil der Bevölkerung anerkannt und geschätzt werden. Immerhin möchte jeder lieben, sich verlieben und geliebt werden. Aber ist es nicht die Selbstliebe, die eine bedingungslose Liebe erst ermöglicht?

Selbstliebe ist nicht Narzissmus

Selbstliebe hat nichts mit Selbstverliebtheit oder Selbstbewunderung zu tun, wie oft fälschlicherweise angenommen wird. Vielmehr geht es darum, sein wahres Selbst kennenzulernen und in diesem Prozess ein Verständnis und eine Akzeptanz für die eigenen Verhaltensweisen, die uns als Mensch ausmachen, anzunehmen.

Wir werden als Kinder erzogen und gestutzt, um uns in die Gesellschaft zu integrieren, in die wir geboren werden. Leider beobachtet man häufig, dass diese Erziehung weniger auf einer Ebene der persönlichen Entfaltung, als vielmehr in Richtung besser als die anderen werden tendiert.

„Du musst mehr lernen“, „Das kannst du besser“, „Du musst dich behaupten in dieser Welt“ usw. Aussagen wie diese tragen kaum dazu bei, seine Einzigartigkeit zu entdecken, sondern fördern das Imitieren, welches unsere Besonderheiten in einem Sumpf aus Mittelmäßigkeit untergehen lässt. Man wird zu einem Lemming und einem abgestumpften kleinen Rädchen, das sich fortwährend dreht und auf die Erlösung durch Godot wartet.

Dass dieser allerdings lange auf sich warten lässt, dürfte bekannt sein; und so erwacht in dem einen oder anderen das Bedürfnis nach mehr, als nur ein funktionierendes Glied in einer Kette aus gesellschaftlicher Ordnung und Zwang zu sein.

Man möchte nicht mindern, wie wichtig es ist, im Zusammenhalt unserer Spezies zu leben. Es wurde und wird Großartiges geleistet und ein jeder trägt einen wichtigen Teil zur Gesamtheit bei.

Und doch sollte es das Recht eines jeden sein, glücklich in diesem Leben zu werden. Dass unsere Gesellschaftsstruktur allerdings nicht so beschaffen ist, jedem dieses Recht zuzugestehen, sehen wir nur zu deutlich.

Es liegt also an uns selbst, für unser Glück und unser Wohl zu sorgen, denn von außen wird es uns nicht zugestanden. Und hier schließt sich der Kreis und wir finden zurück zu unserem geliebten oder ungeliebten Wort der Selbstliebe.

Die Suche nach der Selbstliebe

Anfangs meinen wir, unser Glück in äußeren Umständen finden zu können, sei es im gesellschaftlichen Ansehen, Wohlstand oder, allen voran, in der Liebe zu einem Partner. Und so trachten wir nach dem einen, und wenn dies nicht zum Erfolg führt, nach dem anderen; wenn es nicht das Auto war, dann vielleicht das Haus, wenn es nicht dieser Partner war, dann sucht man nach einem anderen Seelenverwandten.

Wenn man Glück hat, kommt eines Tages die Ernüchterung. Das mag man anfänglich eher als Depression denn als einen glücklichen Umstand wahrnehmen, doch tatsächlich kann sie ein Wegweiser sein auf dem Weg zur Selbstliebe (siehe auch den Artikel: Trennung –  eine Chance zur Selbstfindung).

Denn wer ganz unten angekommen ist, entwickelt eine Motivation, neue Wege zu gehen.

Wege, die man vorher gar nicht gesehen oder vielleicht sogar belächelt hat. Therapie? Selbstfindung? Meditation? Ja, man ist bereit alles zu versuchen. Man bittet um Hilfe, denn alleine hat man es nicht geschafft. Und von Godot immer noch weit und breit keine Spur.

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Und Hilfe wird kommen, wenn man die Augen und sein Herz öffnet und sie zulässt. Sie kommt in Form von Demut und Bescheidenheit, denn unsere Ignoranz und Arroganz dem Leben gegenüber hat uns nicht weit gebracht. Wir haben nachgeahmt, ohne zu reflektieren, wollten besser sein als der Rest und haben gedacht, wir würden es allen zeigen. Man kämpft sich durch die Welt, statt sich mit ihr zu bewegen.

Damit beweisen wir, dass wir weder das Leben noch uns selbst verstanden haben. Das Leben in seiner Gesamtheit wird man schwer begreifen können. Doch uns selbst, ja uns können wir kennenlernen. Hier muss jeder seinen eigenen Weg finden. Denn jeder Weg ist so einzigartig wie unsere DNA.

Was will ich?

 

Selbstliebe zu entwickeln, setzt voraus, sich kennenzulernen, und dies ist ein ebenso spannender wie auch beängstigender Prozess. Denn man beginnt, sich nicht nur mit den eigenen tiefen Wünschen und Verlangen auseinanderzusetzen, sondern auch mit seinen Ängsten und Unsicherheiten.

Der erste Schritt in diesem Prozess ist, die Entscheidung zu treffen: „So nicht mehr!“.

Durch das große Sieb unseres Lebens sortieren wir aus, was wir nicht wollen und können langsam erkennen, was unsere wahren Wünsche sind.

♦ Ansehen und Geld haben mich doch nicht so glücklich gemacht, wie ich gedacht hatte? Eigentlich hätte ich lieber mehr Zeit für mich, meine Familie und meine Hobbys?

♦ Oder umgekehrt: Ich kann nicht mehr so tun, als seien mein unterdurchschnittlich bezahlter Job und die Plackerei, um meine Rechnungen zu bezahlen, in Ordnung. Ich will mehr vom Leben!

Sei ehrlich mit dir. Was gibt dir ein gutes Gefühl? Was tut dir schlecht? Unser Empfinden ist immer noch der beste Indikator, um herauszufinden, wer man in seinem Herzen ist.

Wir haben einen erheblichen Teil unseres Lebens damit zugebracht, Dinge zu tun, die uns wenig Freude bereiten, weil wir als Kinder abhängig von unseren Eltern waren und es später zu einem Großteil von der Gesellschaft sind. Schließlich brauchen wir Nahrung und ein Dach über dem Kopf.

Und wieder beobachten und imitieren wir, was wir bei Eltern oder in unserem Umfeld gesehen haben und für die meisten scheint dieses Prinzip auch zu funktionieren. Doch für einige wird es zu einem steten Kampf mit sich und der Welt, mit dem Wecker am Morgen und dem Verkehr zur Rushhour. Kredite sollen zum Glück führen, und stürzen viele stattdessen in Sorgen und schlaflose Nächte. Wir klammern uns an die Liebe, die uns Halt geben soll, doch in unserer Angst berauben wir uns und dem Partner jeder Freiheit.

Der Käfig, in den wir uns gesetzt haben, wird immer voller und die Enge beinah erdrückend.

Der Blick nach draußen ist kaum noch möglich. Wir versuchen zu lauschen, doch der Lärm hat die Stille verdrängt. Vage Erinnerungen an Godot, die bald verblassen. So wie jene an sich selbst. Wessen Leben ist das? Will ich das?

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Selbstliebe als Pfad zum Glück

Der ehrliche Blick auf unser Leben und unsere Gefühle ist immer der Beginn auf dem Weg zu mehr Selbstliebe und Glück.

Ganz entscheidend dabei ist, dass wir weder uns, noch andere dafür verurteilen, wo wir in unserem Leben stehen.

Wir haben Entscheidungen getroffen, die wir für richtig gehalten haben und wenn wir auf andere Menschen gehört haben, so taten wir das deshalb, weil wir ihnen vertrauten. Diese Leute haben es ebenfalls nicht besser gewusst. Im Nachhinein haben wir aus Fehlern gelernt und können nun Veränderungen herbeiführen.

Lass die Vergangenheit ruhen und konzentriere dich zuerst auf das Jetzt. Versuche, objektiv zu bleiben und Schuldzuweisungen oder Schuldgefühle außen vor zu lassen. Du (oder die anderen) hast dich genau so verhalten, wie es aufgrund deiner Genetik und Konditionierung vorgesehen war. Es ist in Ordnung. Verzeihe dir (und den anderen).

Akzeptiere deine Schwächen und versuche nicht, vor ihnen davonzulaufen. Du hast Angst und bist unsicher? Bist schnell aufbrausend und sagst oft Sachen, die dir im Nachhinein leidtun? Du bist entscheidungsunfähig und glaubst, viele Chancen verpasst zu haben? Egal was es ist, setze dich damit auseinander, aber verurteile dich nicht dafür.

Sieh dir diese Eigenschaften an und versuche herauszufinden, warum sie da sind. In den meisten Fällen ist es ein Schutzmechanismus deines Egos, den du dir in der Kindheit angeeignet hast. Da man ihn nie hinterfragt hat und als gegeben angenommen hat, ist er bis heute geblieben. Doch diese Muster sind veränderbar! Es ist tatsächlich möglich, sich zu reprogrammieren (siehe auch: Visionen haben und eine neue Zukunft erschaffen).

Dankbarkeit und Selbstliebe

Auch wenn es in schweren Zeiten nicht einfach ist, aber suche nach positiven Dingen in deinem Leben und sei dankbar dafür. Dankbarkeit für Menschen, die du liebst, für Familie und Freunde, für Dinge, die selbstverständlich für uns geworden sind.

selbstliebe

Manche Menschen sind sogar imstande für traumatische Erlebnisse oder schwere Krankheit dankbar zu sein, weil sie ihnen Demut, Bescheidenheit und Weisheit geschenkt hat. Das ist eine besondere Gabe, die von sehr viel Stärke und Courage zeugt, und mit derer man sein Umfeld erleuchten und bewusster machen kann.

Wer sich selber mit all seinen Schwächen und Stärken akzeptieren kann, wird bemerken, dass das eigene Ego langsam verblasst und keinen so großen Einfluss mehr hat.

In diesem Prozess der Selbsterkenntnis beginnt man zu verstehen, dass man als Mensch nur einen kleinen Teil einer universellen Kraft darstellt, die uns allen inne ist und uns untrennbar miteinander verbindet.

Selbsterkenntnis als Tor zur Selbstliebe

Das Wort Selbst in “Selbsterkenntnis” und “Selbstliebe” meint nicht unseren Körper oder unsere Persönlichkeit, die sich in diesem Leben entwickelt haben. Viel mehr ist damit dies intuitive Gefühl gemeint, hier zu sein, auch wenn uns alles, was wir mit Worten beschreiben können, genommen wird. Wenn du auf einen Schlag all deine Erinnerung verlierst und du dich weder an deinen Namen oder dein bisheriges Leben erinnern könntest, so wärst du doch hier. Und wenn du dich nachts schlafen legst und dein Ich, dein Körper und sogar Raum und Zeit verschwinden – bist du nicht trotzdem hier?

Wir sind mehr als nur eine Zusammensetzung aus Atomen und so unterschiedlich wir alle sein mögen, so gibt es eine universelle Sprache, die ein jeder von uns spricht und versteht. Jene von Liebe und Mitgefühl.

Und je weniger wichtig wir uns und unser vergängliches Leben nehmen, je mehr wir uns öffnen für die Möglichkeit einer universellen Macht, umso mehr spüren wir diese Liebe und dieses Mitgefühl, als wären sie das, aus dem alles ensteht.

So wird unsere Selbstliebe  zur bedingungslosen Liebe der Welt, sie macht uns zu einem Licht für jene, die im Dunkeln stehen und lässt uns mit allen Wesen und Pflanzen dieser Erde eins werden, und Tod und Geburt verschwinden in der Illusion von Raum und Zeit. Und mit ihr die Illusion von Godot.

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