Weniger ist mehr! Lass dein Ego zu Hause

Jan 23, 2019

Das Wort Egozentrik beschreibt die menschliche Charaktereigenschaft, sich selbst im Mittelpunkt des Universums zu sehen. Das Ego (unser Ich) wird dabei übertrieben wichtig genommen und man verliert den Blick für die Gesamtheit. Wie unglücklich es macht, sich in der Welt des Egos zu verlieren, kennen viele von uns nur allzu gut. Aber wie soll ich das Leben sehen, wenn nicht aus meiner Sicht? Wieso sagen wir über manche Menschen, sie hätten ein großes Ego und über andere sie wären egolos?

Ein voller Kopf

Sich mit sich selbst zu beschäftigen, kann eine ungeheure Bereicherung sein, wenn man es auf die richtige Weise tut. Reflektieren und Analysieren des eigenen Verhaltens können uns dabei helfen, sich besser zu verstehen, und dieses Verständnis kann man sich zunutze machen.

Das funktioniert allerdings nur, wenn man ehrlich mit sich ist und leider fällt das vielen von uns sehr schwer. Wenn etwas nicht so gelaufen ist, wie wir uns das gewünscht haben, suchen wir nach Rechtfertigungen und meistens finden wir einen äußeren Umstand, den wir für unser Unwohlsein verantwortlich machen. Und das hat folgenden Grund: Wir schützen unser Ego.

Doch wer oder was ist dieses Ego, das wir schützen? Und wer sind wir, die das Ego schützen? Oder ist es das Ego selbst, das sich schützt? Wer sitzt da alles in meinem Kopf?

Wie viel Ego ist in dir?

In dem Artikel „Trennung – Eine Chance zur Selbstfindungerfährst du mehr über die Geschichte des Egos (siehe dort gleich zu Beginn „Eine kurze Geschichte des Egos“).

Denn das Ego ist nicht etwas, das wir von Geburt an besitzen. Es kommt kein kleiner menschlicher Körper zur Welt, der mit einem inneren Ego ausgestattet ist. Oder anders ausgedrückt: Da sitzt kein Homunkulus (lateinisch für Menschlein) im Menschen, der diesen Menschen steuert.

Es ist wichtig, dass du das für dich selbst siehst. Ich weiß, dass es sich so anfühlt, als würde jemand im Körper sitzen und aus den Augen herausschauen. In Wirklichkeit sind es allerdings Gedanken, Gefühle und Wahrnehmungen, die wir mit dem Glauben, dass da jemand ist, kombiniert haben.

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Wo bin ich?

Ich möchte das an zwei Beispielen verdeutlichen:

Eine Person, die man kennt wie keine andere, mit ihren Eigenheiten und ihrer starken Persönlichkeit, erleidet einen Hirnschaden (Unfall, Schlaganfall usw.). Plötzlich kann sich dieser Mensch an nichts erinnern, kann vielleicht kaum sprechen oder wird apathisch und lethargisch. Wir sagen: „Ich erkenne ihn nicht wieder. Das ist nicht derselbe Mensch, der er einmal war.“ Ja, aber wo ist er hin?

Zweites Beispiel: Man macht gerade eine schwierige Zeit voller Stress und Anspannung durch und erträgt seine eigenen Gedanken und Emotionen nicht. Dauernd grübelt man, was man tun könnte, was man falsch gemacht hat, was man anders machen könnte und gerät in Angst- oder Panikzustände. Man beschließt einen starken Drink (oder mehrer) beziehungsweise ein beruhigendes Medikament zu nehmen. Die Anspannung lässt nach und die beunruhigenden Gedanken verschwinden. Man fühlt sich gut. Wie ist das möglich? Wo ist das gestresste Ich hin verschwunden?

Die Antwort für beide Beispiele ist folgende: Dieses Ich ist nichts Greifbares, was wirklich da war. Dieses Ego, von dem wir so fest überzeugt sind, das wir es sind, ist eine Vorstellung, die wir von uns haben – also nichts weiter, als ein Gedanke.

Wie man aber an den Beispielen oben sieht, kann eine Veränderung im Gehirn (entweder durch ein Trauma oder durch Chemie) bewirken, dass dieses Ego verschwindet. Das Ego ist also nichts Unveränderbares.

Und so kann man nun auch verstehen, warum manche Menschen egoloser erscheinen als andere. Es ist tatsächlich möglich, sein Ego zurückzuschrauben. Aber wie?

Schau genau

Der erste wichtige Schritt, ist zu erkennen, dass das, was wir als Persona oder Ego bezeichnen, in Wahrheit eine Ansammlung von Gedanken und Erinnerungen ist. Es fühlt sich deshalb so wirklich an, weil wir es mit unserem Körper und dessen Gefühlen und Emotionen kombiniert haben, und uns mit diesen identifizieren. Nun “spüren” wir dieses Ego also auch, und durch den festen Glauben an es, machen wir es zur Wirklichkeit. Wenn wir diesen Glauben lösen können, tritt es nach und nach in den Hintergrund. Wir fühlen uns plötzlich sehr viel leichter, offener und freier.

Denn das Ego zwängt uns in eine Form, in der es sehr ungemütlich werden kann. Wer es mit sich alleine kaum aushält und ständig nach Möglichkeiten der Unterhaltung sucht, wird dieses Gefühl gut kennen.

Aber nicht nur uns selbst tun wir mit einem großen Ego keinen Gefallen. Auch unsere Mitmenschen leiden unter Personen, die übertrieben ichbezogen sind. Sie sind weniger aufmerksam, kümmern sich nicht um ihr Umfeld und denken nur darüber nach, wie sie es für sich besser machen können. Doch wir sind ein Teil einer großen Gesamtheit, und wir sind das Produkt dieser Gesamtheit. Nur nehmen zu wollen, ohne etwas zu geben, erscheint angesichts dessen recht unpassend. Schließlich wird man nichts von dem, was man anhäufen möchte, mitnehmen können. Jeder von uns wird sterben. Wäre es nicht schön, mehr für seine Nachfahren zu hinterlassen als Unheil?

Begrenztes Ego, unendliche Existenz

Wir sind der Rest der Menschheit. Wir sind das Produkt all unserer Vorfahren. Es ist nicht DEIN Gehirn, das in DEINEM Körper steckt. Es ist die Evolution eines Lebens, das ein ewiges Mysterium für diesen kleinen menschlichen Verstand bleiben wird. Wie kann man sich bei dieser Vorstellung so unglaublich wichtig nehmen? Sich und sein winzigkleines Leben.

Wie viele Menschen hat es schon vor uns gegeben? Wie viele werden nach uns kommen? Wird es nach der Spezies Mensch, ein anderes Lebewesen geben, das auf diesem Planeten leben wird, so wie einst die Dinosaurier?

Und ich? Was wird aus mir? Sind diese Fragen angesichts dieser unglaublichen Existenz bedeutsam? Du scheinst doch noch nicht einmal zu wissen, wer du bist (siehe hierzu auch den Blogartikel: „Wer bin ich wirklich?“). Du weißt nicht, wer aus diesen zwei Augen hinaussieht.

Denn sonst wüsstest du, dass da kein kleines Ich herausschaut, das sich seinen Platz in dieser Welt erkämpfen muss. Das sich und seinem Umfeld beweisen muss, dass es jemand Besonderes ist, das man bewundern und schätzen soll.

Du wüsstest, dass das, was aus diesen Augen herausschaut, das Leben selbst ist. Du siehst das Universum und das Universum sieht durch dich. Es sitzt hier und liest und hält sich für eine Person. Doch langsam, ganz langsam wird ihm bewusst, dass wir alle auf diesem Planeten eine kleine Existenz sind. Und wir alle sind es jetzt in diesem Moment.

Könnte es sein, dass es nur eine einzige Existenz gibt und wir alle sind daraus gemacht, davon durchdrungen und dadurch gelebt? Ist das, was die Blumen erblühen und den Menschen wachsen lässt, dieselbe Lebenskraft, die die Planeten um die Sonne bewegt und das Universum expandieren lässt?

ego und universum

Im Hier Und Jetzt gibt es kein Ego

Atome und Moleküle formen das, was du deinen Körper nennst und alle anderen Formen auf diesem Planeten. Und den Planeten selbst, der sich in einem Sonnensystem bewegt. Jetzt in diesem Moment. Und das Sonnensystem, das sich in einer Galaxie befindet. Und die Galaxie, die im Universum expandiert. Und alles geschieht hier und jetzt. Vergangenheit existiert nur in deinem Kopf, ebenso wie Zukunft. Wenn du an Vergangenes denkst, dann tust du das jetzt und wenn die Zukunft eintreffen wird, dann wird es jetzt sein. Es gibt nur diesen einen Augenblick (siehe hierzu auch den Artikel: „Im Hier und Jetzt leben“).

Und du? Wer bist du in diesem Augenblick? Eine Person, ein Ego, ein Name? Atome und Moleküle beziehungsweise Energie und Vibration? Was weißt du wirklich über dich? Wenn du ganz ehrlich mit dir bist, was weißt du wirklich über dieses Leben?

Du weißt nur eines mit absoluter Sicherheit: dass du jetzt, in diesem Augenblick, hier bist. Und es ist genug, das zu wissen.

Du musst nicht versuchen, jemand anderes zu sein, als du bist. Du musst kein Ego erschaffen, das dich zu jemand Besonderes oder Außergewöhnliches macht. Das ganze Leben und das ganze Universum befinden sich in dir. Wenn das nicht genug ist …

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