Innere Unruhe. Viele Ursachen – Eine Lösung.

Jun 9, 2019

Ein jeder von uns kennt den tagtäglichen Kampf mit sich selbst. Unruhe, Rastlosigkeit, schwache Nerven und Ungeduld deuten daraufhin, dass wir im Ungleichgewicht mit uns sind. Überall lauern Situationen und Menschen, die unsere innere Ruhe auf die Probe stellen und Gefühle in uns wecken, die wir voll Mühe und Sorgfalt in den Tiefen unseres Seins vergraben haben. Aus den Augen aus dem Sinn haben wir gehofft und wurden eines Besseren belehrt. Dabei gibt es eine Lösung, um die innere Unruhe zu bezwingen.

Innere Unruhe hat viele Gesichter

Einsamkeit, Angst, Scham, geringes Selbstwertgefühl – wir haben viele Namen, um diese innere Unruhe zu beschreiben, die uns in schwachen Momenten überkommt. Abends, wenn wir alleine im Bett liegen. Am Arbeitsplatz, wenn unsere Leistung nicht ausreichend war. Im Park, wenn wir die händchenhaltenden Pärchen sehen.

Ein Stechen im Herzen, eine Leere in der Brust und dieses unangenehme Ziehen im Bauch sind Anzeichen dafür, dass die Störenfriede unserer Zufriedenheit sich aus den Tiefen unserer Seele melden. Dort, wo wir sie wohlverpackt und verstaut glaubten, treiben sie – wenn auf den passenden Trigger getroffen – so schnell an die Oberfläche, dass es uns schmerzt.

Herzklopfen, Röte, Zittern oder Schwitzen – die Symptome sind so vielfältig wie die Ursachen, die sie auslösen, und vergeblich wartet man auf das Aufklaffen des Erdbodens, der uns verschlingen möge. Wer nicht auf Mutter Natur zur Rettung warten möchte, hat zwei Möglichkeiten, sich mit dem Problem auseinanderzusetzen.

Wie wir innerer Unruhe begegnen

Hätten wir uns auf einen Dorn gesetzt, der jetzt in einer Pobacke stecken würde, hätten wir die Möglichkeit, ihn entweder zu beseitigen oder aber wir würden uns einfach nicht mehr hinsetzen, um dem Schmerz zu entgehen, den das Sitzen verursachen würde. Wir müssten alle Plätze meiden, wo man zu sitzen hat, könnten uns nicht mehr mit Freunden im Restaurant treffen und selbst beim Schlafen müssten wir unsere Position an den Dorn im Hintern anpassen.

Absurd, denkst du gerade? Traurigerweise ist dies die Art, wie wir mit unseren inneren Unruhen umgehen.

Wir setzen uns nicht mit den ungeliebten Emotionen auseinander, sondern richten unser Leben danach aus, sie zu vermeiden.

Nehmen wir doch als Beispiel das Gefühl der Einsamkeit, das vielen von uns nicht unbekannt ist. Wir empfinden es, wenn wir andere glückliche Paare sehen oder wir alleine zu Hause sind und nichts mit uns anzufangen wissen. Vielleicht äußert es sich in einer Melancholie, einer Trauer, einem Ziehen in der Magengegend und einer Rastlosigkeit.

Sofort fragen wir uns: Was kann ich gegen dieses Gefühl tun? Und in dieser Frage liegt bereits der erste Fehler.

Der Versuch innere Unruhe zu vermeiden

Unser antrainiertes Verhalten ist es, den unangenehmen Gefühlen, die wir nicht erleben wollen, aus dem Weg zu gehen. So meiden wir Treffen mit unseren Freunden, die als Paar auftreten oder suchen Schutz bei Menschen, die uns ablenken. Man datet dann doch lieber diese Person, die man eigentlich nicht toll findet, damit man sich nicht einsam fühlt.

Und falls es einem schließlich gelungen ist, jemanden zu finden, der das Gefühl der Einsamkeit vertreibt, versucht man alles, damit man diese Person nicht verliert. „Bin ich attraktiv genug?“, „Habe ich etwas falsch gemacht?“, „War das dumm, was ich gesagt habe?“ – plötzlich hat man so viel mehr, worüber man nachdenken muss. Und alles nur, um dem Gefühl der Einsamkeit nicht noch einmal zu begegnen.

Wir türmen auf die innere Unruhe, die wir vermeiden wollen, zusätzliche Probleme; bürden uns mehr und mehr Lasten auf und begeben uns auf einen Weg, der immer weiter weg von der Lösung des Problems führt.

Die Lösung des Problems

Um der inneren Unruhe Einhalt zu gebieten, müssen wir unseren Blick nach innen wenden, statt außerhalb nach Lösungen zu suchen.

Sehr oft entgehen uns die Störungen in uns, weil wir damit beschäftigt sind, sie zu vermeiden, indem wir entweder den Situationen, die sie auslösen aus dem Weg gehen oder sie durch Ablenkungen unterdrücken. Die Energie, die mit der negativen Emotion einhergeht, kann nicht freigesetzt werden und wird in unserem Körper und Unterbewusstsein abgespeichert, was wir an veränderten Körperhaltungen, Verspannungen oder Depressionen erkennen.

Weil die Gedanken und Handlungen, die mit dem Unterbewusstsein verbunden sind, zu 95% unbewusst ablaufen, scheinen wir keine Kontrolle über diese Reaktionen zu haben, und fühlen uns ihnen hilflos ausgeliefert. Dem ist aber nicht so.

Wenn wir uns die Mühe und Zeit geben, uns von allen Seiten kennen- und verstehen zu lernen, dann haben wir die Möglichkeit, Veränderungen herbeizuführen. Hierfür ist es wichtig, sich aufmerksam beobachten zu lernen (wie das funktioniert, erfährst du im Blog Achtsamkeit und Bewusstsein – Der erste Schritt).

innere unruhe loslassen

Lass zu und lass los

Wer eine neue Sportart oder ein Instrument lernen will, weiß, dass aller Anfang schwer ist. Daher ist es ganz wichtig, ein Ziel vor Augen zu haben, das man erreichen will. Im Beispiel innere Unruhe wäre es: Ich will mich nicht mehr unwohl und rastlos fühlen. Ich will mich nicht mehr verstecken müssen, ich will mich frei fühlen und mit anderen in Kontakt treten, ohne dabei verkrampft zu sein.

Ist die Entscheidung erst getroffen, ist ebenso wie beim Sport und dem Instrument lernen Mut, Engagement, Wille und Geduld gefragt. Diese brauchen wir, um uns auf Neues einzulassen, Rückschläge zu ertragen und durchzuhalten, wenn es schwer wird und nicht aufzugeben! Mit unserem Ziel stets vor Augen machen wir weiter. Wie sieht das konkret aus?

Geraten wir in Situationen oder an Menschen, die uns triggern, so versuchen wir, nicht gleich davonzulaufen. Wir lernen, das Gefühl zuzulassen und es zu beobachten. Das mag zu Beginn sehr schwierig sein, zumal unser erster Impuls wäre, davonzulaufen. Lass die negativen Gefühle und die damit einhergehenden Gedanken wie “Ich will das nicht” oder “Das ist mir peinlich” einfach zu und beobachte, wie sie nach einiger Zeit verschwinden.

Du kannst selbst bezeugen, dass jedes Gefühl irgendwann vorbei geht. Je öfter du den Vorgang des Zulassens und Beobachtens erlaubst, desto mehr wird die innere Unruhe in den Hintergrund treten.

Wichtig ist, Folgendes zu erkennen: Ich kann die Emotion beobachten, daher kann ich nicht diese Emotion sein. Warum ist dieser Satz so wichtig?

Der Beobachter ist nicht das Beobachtete

Wir sind es gewohnt, uns in unsere Gefühle und Gedanken hineinzusteigern, uns mit ihnen zu identifizieren und uns dann zu sagen: So bin ich. Das bin ich. Ich bin einsam.

Aber das stimmt nicht. Du bist der Beobachter der Unruhe (Rastlosigkeit, Einsamkeit usw.) Du bist nicht die Unruhe. Stelle dir die Frage: Wer beobachtet die Unruhe, statt dich vollkommen darin zu verlieren. Je öfter du das praktizierst, desto mehr wirst du dich von deinen inneren Unruhen trennen können, und sie werden dich nicht mehr mit solcher Wucht treffen.

Du lernst sie zu beobachten, wenn sie aufkommen und wenn sie wieder verschwinden. Das ist nicht immer einfach und manchmal mit Angst und Schmerz verbunden, aber das war schließlich der Grund, warum du versucht hast, sie zu unterdrücken. Lass sie zu und sei der Zeuge dieser Emotionen. Sie werden vorbei ziehen und mit ihnen die negativen Energien.

Die Frage „Wer sieht das?“ zieht dich aus der Emotion und zentriert dich in den Teil von dir, der unberührt von dem Geschehen bleibt. Der Bereich in dir, der urteilsfrei am Leben teilnimmt und den Augenblick in seiner Ganzheit genießen kann.

Das ist der Bereich, von dem aus du die Welt entdecken und erleben möchtest. Hier gibt es keine Konflikte und keine Ängste. Hier bist du ganz. Mit dir und mit dem Leben. Der Beobachter und das Beobachtete sind eins geworden. Das nennen wir Liebe.

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