Glaubenssätze formen unsere Realität

Jul 8, 2019

Wir nehmen sie so ernst, als seien sie Wahrheiten des Lebens und nicht selten ist ein Mensch in den Tod für sie gegangen. Partner, die wir verlassen, Menschen, die wir verurteilen, Feindseligkeit, die wir unserer Umwelt und uns selbst gegenüber entwickeln. Wiederholen wir Gedanken oft genug, werden sie zu Glaubenssätzen, für die so mancher in den Krieg gezogen ist. Dabei sind Glaubenssätze keine Tatsachen, und so wie wir sie lernen mussten, können wir auch wieder ändern, woran wir glauben.

Wir sind keine Opfer unserer Glaubenssätze

Auch wenn es vielen von uns nicht so vorkommen mag: Wir sind nicht verpflichtet, zu denken, was wir denken. Da wir allerdings jahrzehntelang dieselben Gedanken hegen, die tagtäglich unser System fluten (und das zu allem Überfluss meist unbewusst), sind wir der Überzeugung, Opfer unserer Glaubenssätze zu sein.

Vor allem Menschen mit Depressionen oder sehr negativen Gedankenmustern fühlen sich wie Gefangene in einer Zelle aus Negativität, aus der man kein Entkommen sieht.

Ich möchte an dieser Stelle all jenen, die ebenfalls diesem Glauben unterliegen, Mut machen und versichern: Es gibt einen Ausweg, niemand ist dazu verdammt, ein Leben in Leid und Schmerz zu verbringen.

Immer wieder beweisen uns Menschen, dass man selbst unter schlimmsten Bedingungen eine Wahl hat. Der österreichische Psychiater Viktor Frankl (1905 – 1997)  überlebte vier Konzentrationslager, während der Rest seiner Familie ermordert wurde. In seinem Buch “… trotzdem Ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager” sagt er:

„Die letzte der menschlichen Freiheiten besteht in der Wahl der Einstellung zu den Dingen.“

Können wir tatsächlich selbst darüber entscheiden, ob wir das Leben als glücklich oder als leidvoll empfinden wollen, unabhängig von äußeren Umständen und Schicksalen? Welche Macht besitzt unser Verstand, wenn er uns das scheinbar Unerträgliche als etwas Sinnhaftes darstellen kann, und damit das Gewicht des Leidens verringert?

Unsere Wahrnehmung der Welt

Glaubenssätze sind Gedanken, die wir so oft gedacht und verinnerlicht haben, dass wir sie für Wahrheiten erachten. Dass es unsere ganz persönliche Wahrnehmung der Welt ist, blenden viele gänzlich aus und verschließen sich damit der Tatsache, sich ihre eigene Realität gebastelt zu haben.

Niemand hat oder wird die Welt jemals so sehen wie du! Selbst wenn Menschen das gleiche Schicksal teilen, hätte jeder eine andere Wahrnehmung davon.

Was macht diese Wahrnehmung aus? Hast du dir ausgesucht, dass du Musik magst? Hast du dir ausgesucht, dass du dich gerne bewegst und deshalb Sport oder Tanz liebst? War es deine Entscheidung, gut in Mathe zu sein und logisch zu denken? Hast du deinen Eltern gesagt, dass du gerne künstlerisch begabt sein möchtest und bist es deshalb?

Wenn uns bewusst wird, dass wir unsere Talente, Temperamente und gewisse Charaktereigenschaften nicht ausgesucht haben, sondern damit „gesegnet“ oder „belastet“ wurden, können wir Schuldgefühle und übertriebenen Stolz hintanstellen.

Die Worte „gesegnet“ und „belastet“ stehen deshalb unter Anführungszeichen, da es sich um unsere Interpretationen handelt, die keiner absoluten Wahrheit entsprechen.

Niemand ist besser oder schlechter – das sind ebenfalls Glaubenssätze, die wir aufgrund unserer Erfahrungen aufgestellt haben.

Glaubenssätze gut schlecht

Woher unsere Glaubenssätze kommen

Wie bereits angedeutet, entstehen die tief verwurzelten Glaubenssätze aus unseren Erfahrungen und Erlebnissen, das heißt vor allem aus unserer Kindheit.

Was unsere Eltern und unser Umfeld ständig wiederholten, haben wir schließlich verinnerlicht. Durch Repetition haben wir demnach nicht nur unsere Sprache erlernt, sondern auch unsere Einstellungen.

Wenn man in einem Umfeld aufgewachsen ist, in dem „harte Arbeit“, Verzicht und Pflichtbewusstsein gelobt wurden, wird man später höchstwahrscheinlich selbst diese Eigenschaften als löblich erachten.

Umgekehrt werden jene, die in einem entspannten Umfeld groß geworden sind, in dem Müßiggang gepriesen wurde, eine andere Einstellung zum Leben und zur Arbeit haben.

Eines sollte uns bewusst sein: Keine der erlernten Einstellungen ist in Wahrheit besser oder schlechter. Jeder möge für sich selbst herausfinden, was ihm oder ihr am besten tut, und diese Entscheidung auch allen anderen zugestehen.

Zweifel und Unsicherheiten

Wer sich mit den Glaubenssätzen, mit denen er groß geworden ist, gut im Leben zurechtfindet, wird sich nie darüber Gedanken machen, warum er so denkt, wie er denkt.

Doch viele von uns sehen sich in ihrem Leben irgendwann von Zweifeln und Unsicherheiten geplagt, die uns alles in Frage stellen lassen, was wir bisher gelebt haben. Dies ist eine großartige Gelegenheit, sich selbst besser kennenzulernen und damit den Menschen an sich zu verstehen. Denn wer sich selbst bis in die tiefsten Tiefen seines Seins wagt, wird nicht nur sich, sondern das Menschsein begreifen.

Daher sind Tiefpunkte in unserem Leben als Chancen zu sehen, zu wachsen und zu reifen, denn nur wer sich in einer Sackgasse sieht, wer nicht in gleicher Manier fortführen möchte, was Eltern und Großeltern vorgelebt haben, der wird bereit sein, etwas aufzugeben, um etwas zu verändern.

Und was wir aufgeben, sind unsere Vorstellungen und Einstellungen, die wir so lange mit uns herumgetragen und gepflegt haben. In dem Moment, in dem uns bewusst wird, dass das die Ursache all unseres Übels ist, werden wir versuchen, uns davon zu lösen.

Doch wie löst man sich von seinen Glaubenssätzen? Immerhin haben wir uns zu einem Großteil damit identifiziert, das heißt, wir definieren uns über unsere Gedanken und unsere Einstellungen.

Glaubenssätze ändern

Offenheit ist der erste wichtige Schritt. Klingt leicht, hält sich ja ein jeder für einen offenen Menschen, doch stellen wir schnell fest, wie sehr wir an unseren Ideen haften, wenn wir sie loswerden wollen.

Ich empfehle folgenden Versuch: Wenn du für etwas kritisiert werden solltest, sei es vom Partner, dem Arbeitskollegen oder der Familie, reagiere nicht wie gewohnt darauf mit Ablehnung oder Offensive. Halte inne, nimm die Worte an und frage dich: Stimmt es vielleicht, was Person XY gesagt hat? Du wirst sehen, wie sich dein Ego gegen eine solche Frage wehren wird!

Das macht den Prozess der Glaubensänderung so schwierig. Wir müssen alte Muster bekämpfen und die können hartnäckig sein. Deshalb ist es ganz wichtig offenzubleiben, zum Beispiel mit der Frage: „Stimmt es wirklich, was ich mir da sage? Könnte es nicht doch anders sein?“

Halte dir stets vor Augen, warum du etwas ändern willst. Denke an das Ziel, das du erreichen möchtest. Wer weiß, wohin er geht und warum er dorthin will, dem fällt es leichter, diszipliniert und ausdauernd zu sein. Eigenschaften, die man braucht, wenn man seine alten Glaubenssätze ändern möchte.

Disziplin und Ausdauer? Ja, denn tatsächlich bedarf es Training, deine alten Denkmuster zu ändern. Denk an all die neuronalen Netzwerke in deinem Gehirn, all die Nervenzellen, die sich miteinander verbunden haben und ganz bestimmte Verhaltens- und Denkweisen von dir steuern. Es sind komplexe Gebilde, die mit der Zeit entstanden sind, doch das heißt nicht, dass sie sich nicht auflösen und neu vernetzen lassen.

Wie hat man das Alphabet und Rechnen gelernt? Genau, durch Repetition und so funktioniert es auch mit unseren Denkmustern. Wer alte Glaubenssätze loswerden möchte, muss sie im richtigen Moment erkennen und sofort gegen neue austauschen. Zu Beginn wird man das Gefühl haben, sich etwas vorzumachen, doch mit der Zeit hat sich der neue Glaubenssatz gefestigt und irgendwann sind wir überzeugt von ihm.

Worte allein sind nicht genug

Worte gegen neue Worte zu tauschen, wird allerdings nicht reichen. Wer jahrelang der Überzeugung war, er leide an einer Redeangst, wird sich nicht damit behelfen, das Gegenteil zu sagen.

Sobald er vor einer Menge an Menschen sprechen muss, wird er mit körperlichen Symptomen wie Zittern, Schwitzen, Blackouts oder dergleichen zu tun haben, die ihn wieder davon überzeugen werden, dass er eine Redeangst hat.

Wie ändert man einen so tief verwurzelten Glaubenssatz? Da wir nicht nur von Sätzen im Kopf sprechen, sondern von Sätzen, die mit Emotionen und körperlichen Symptomen verbunden sind, bedarf es ein komplexeres Vorgehen.

Man beachte: Nur wer wirklich einen Sinn darin sieht, seine Redeangst zu überwinden (zum Beispiel aus beruflicher Sicht), wird alles daran setzen, diese zu überwinden.

Wir kommen also wieder zu dem Punkt, dass man etwas wirklich wollen muss, um es zu verändern. Eine Person, die erfolgreich sein möchte und weiß, dass sie dafür gute Reden halten muss, hat ein Ziel vor Augen. Sie stellt sich die Frage: Was kann ich tun, um dieses Ziel zu erreichen?

Sie recherchiert und findet heraus, dass es Rhetorikkurse und Seminare gibt, in denen Menschen, die an einer Redeangst leiden, geholfen wird. Sie besucht die Kurse und stellt sich ihrer Angst, und zwar so oft wie möglich. Sie arbeitet an sich, sie übt vorm Spiegel, vor ihrer Familie, vor den Kursteilnehmern und schließlich vor Publikum.

Bis wir diese Person dann tatsächlich auf der Bühne sehen, ist sie einen weiten Weg gegangen. Und wir sagen dann: Manche Menschen sind geboren für das Rampenlicht. Die haben ein Talent. Ich könnte so etwas nie. Von wegen!

Talente vs. Disziplin

Niemand möchte hier absprechen, dass wir mit unterschiedlichen Talenten zur Welt kommen. Dass der eine sich zum Beispiel mehr für Musik, der andere für Worte und der Dritte für Zahlen und Logisches interessiert, ist für jeden ersichtlich. Wir tendieren in unterschiedliche Richtungen und das ist etwas Wunderbares, denn so können wir uns gegenseitig begeistern und inspirieren.

Doch ein Talent ist kein Garant für ein erfolgreiches Leben. Wer sich trotz eines Talents für einen Versager hält, wird es im Leben nicht weit bringen. Wer kein offensichtliches Talent hat, aber dafür Disziplin aufbringt, kann es zu ungeahntem Erfolg schaffen.

Es sind deine Glaubenssätze, die dir Kraft spenden oder dir Energie rauben können. Wer seine Glaubenssätze nicht nur ändert, sondern komplett fallen lässt, der macht sich frei vom Gewicht des Zweifels, der Sorge und der Angst und wird in eine Welt schreiten, deren Stolpersteine zu Lehrern werden, und Schicksalsschläge unsere Meister sind. Glück bedeutet nicht nur ein Vergnügen nach dem anderen – es ist vielmehr das Verständnis und die Klarheit für das, was ist. Ganz ohne Interpretation. Eine Realität für alle.

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