Einsamkeit – wieso sie da ist und was man tun kann.

Mrz 18, 2019

In einer Welt, in der wir von Überpopulation sprechen, Wohnungen auf die Größe eines begehbaren Schranks schrumpfen und die Straßen und öffentlichen Verkehrsmittel voller werden, gibt es paradoxerweise ein Gefühl, das sich seit ewigen Zeiten hält und gleichsam durch alle Schichten der Gesellschaften zieht. Gemeint ist die Einsamkeit, die weder Alter noch Geschlecht kennt, und sich zumindest ein Mal ins Leben eines jeden von uns geschlichen hat. Wieso ist sie da und was kann man gegen sie tun?

Einsamkeit sucht unsere Aufmerksamkeit

Und auch dieses Phänomen mag jedem von uns bekannt sein: Wie viele Versuche wir in diesem Zustand der Einsamkeit auch starten, uns abzulenken und zu beschäftigen, es scheint kein Entkommen vor ihr zu geben. Was einen guten Grund hat.

Da werden keine Grillpartys und keine Schnitzeljagden, keine Gruppenurlaube und keine Escape Room Nachmittage helfen. All diese Aktivitäten werden den Anschein wahren, dass man gesellig und unternehmungslustig ist, doch trügen lassen sich damit nur die Außenwelt und vielleicht der oberflächlichste Bereich unseres Verstandes.

Denn die Tiefen unseres Wesens lassen sich von den äußeren Gegebenheiten keinen Bären aufbinden, sondern melden sich zu Wort, indem sie uns verunsichern und traurig machen.

Sie wollen uns etwas Wichtiges mitteilen, nämlich: Hier ist etwas nicht in Ordnung. Hör auf, davon zu laufen und setz dich endlich damit auseinander. Und hör endlich auf diese Bären zu schicken!

Beziehung gegen Einsamkeit?

Einsamkeit kann nicht durch äußere Umstände beseitigt werden, wie die meisten von uns selbst bereits erfahren haben.

Auch wenn manch einer nun einwenden wird, dass er oder sie durch eine Partnerschaft die Einsamkeit überwunden habe und daraus rückfolgert, eine Beziehung wäre die Antwort

Die Unsicherheit, die man als Single oft mit sich trägt, verschwindet jäh, wenn der neue Partner ins Leben tritt. Man strahlt Selbstbewusstsein und Sicherheit aus und ist erstaunt, wie viel besser man plötzlich beim anderen/gleichen Geschlecht ankommt. Jetzt, da man wieder vergeben ist – wo waren die alle, als man Single war? Kommt dir das bekannt vor?

Und wenn wir verlassen werden und unser Selbstwertgefühl einen Tiefpunkt erreicht hat, der sich nicht durch 1000 Bären dieser Welt überdecken lässt? Da steht niemand mehr Schlange und lechzt nach uns. Und gut so, denn mit der negativen Energie, die wir in Zeiten des Kummers und Schmerzes nach außen tragen, würden wir nicht die positiven Menschen anziehen, die wir bräuchten.

bären

Einsamkeit ist eine Einstellung

Wir leben nach dem Ursachen-Wirkung-Prinzip und so ist die oben beschriebene Schlussfolgerung, dass eine Beziehung das Rezept gegen Einsamkeit ist, gewissermaßen berechtigt. Denn hat man sie, ist man glücklich, und werden wir verlassen, fühlen wir uns einsam.

Auch da wurde wieder mal nur an der Oberfläche gekratzt.

Warum gibt es Menschen, die nicht einsam sind, obwohl sie alleine sind (Siehe auch den Artikel: Allein und einsam muss nicht dasselbe sein)? Wenn man genau hinsieht, wirken sie sogar überaus glücklich, frei und unbeschwert. Wie passt das zu unserem Konzept, das wir zum Dogma gemacht haben?

Die Antwort ist natürlich im Inneren von uns zu suchen, nicht in den äußeren Umständen unseres Lebens.

Auch Leute, die unserer Ansicht nach alle Voraussetzungen besitzen, um das Glück jeden Tag aufs neue zu umarmen (toller Job, viel Geld, Partner, Kinder, Haus usw.), leben oft keineswegs himmelhochjauchzend. Manche von ihnen sind sogar zu Tode betrübt.

Und das kann nur damit zu tun haben, dass ihre innere Einstellung nicht konform mit ihrer Art zu leben ist. Es ist unsere Haltung zu den äußeren Umständen, die unsere Gefühle formt. Und selbst da sind wir noch nicht an den tiefsten Tiefen angelangt, auch wenn wir zumindest schon an den Bären vorbeisehen können.

Jemand der allein und einsam ist, fühlt sich schlecht, weil er die Haltung vertritt, er müsse in einer Beziehung sein, um sich gut zu fühlen. Jemand der allein und glücklich ist, hat diese Einstellung nicht.

Einstellungen ändern?

Nun möchten wir natürlich sofort das Ursachen-Wirkung-Prinzip anwenden und sagen: Gut, ich werde meine Einstellung ändern!

Wenn das nur so einfach wäre. Denn diese Veränderung darf nicht nur unsere bewussten Gedanken betreffen – sie muss auch unsere unbewussten Glaubenssätze miteinschließen.  Bis schlussendlich nichts mehr in uns nach Einsamkeit riecht, schmeckt oder energetisch zu spüren ist.

Zuerst müssen wir den wahren Mechanismus ausfindig machen, der uns das Gefühl vermittelt einsam zu sein.

Treten wir Schritt für Schritt an das Problem heran. Am besten genau dann, wenn wir uns tatsächlich einsam fühlen. Wie sieht das aus?

Vielleicht sitzen wir zu Hause, betrachten das Leben der anderen (selbstverständlich glücklichen Menschen) auf Facebook, Instagram oder sonst einer Plattform für Selbstinszenierung. Ach, denen geht es gut. Wie die strahlen. Natürlich, die haben ja auch den Seelenverwandten gefunden. Oder viel Geld. Oder Schönheit. Oder irgendetwas, von dem ich glaube, es macht glücklich.

Und ich? Hier sitze ich. Niemand will mich. Geld wächst nicht auf meinen Wohnungspflanzen. Und Gott hat vergessen, mir das Cindy Crawford oder Brad Pitt Gen zu schenken.

Wie ich mich fühle? Traurig. Ungeliebt. Unnütz. Einsam eben.

Einsamkeit Katze

Hier haben wir den ersten Schritt des Mechanismus enttarnt: Negative Gedanken erzeugen negative Gefühle! (Siehe hierzu auch den Artikel: Negative Gedanken loswerden).

Mehr Klarheit – in tiefere Gefilde vordringen

Wer jetzt meint, bloß seine negativen Gedanken gegen positive tauschen zu müssen, wird schnell enttäuscht werden. So leicht ist das nämlich erstens nicht und zweitens braucht es etwas mehr, um die stark verwurzelten Gefühle von Einsamkeit zu durchbrechen als ein paar Affirmationen (die aber trotzdem sehr wichtig sind! Dazu gleich mehr).

Wir schauen uns diese negativen Gedanken noch etwas genauer an. Wo kommen sie her? Was steckt da in mir, das diese Gedanken produziert? Warum entwickelt mein Gehirn diese negativen Gedanken und das von anderen Menschen viel positivere?

Hast du dir diese Fragen jemals gestellt? Nein? Warum nicht?

Wir sind so schnell mit Sätzen wie: Der hat eben Glück, dass er mit so viel Optimismus gesegnet wurde. Die hat es eben viel leichter im Leben gehabt als ich und deshalb ist sie stets positiv.

So ist es aber nicht. Dass niemand als Veganer oder Alkoholiker geboren wird, lässt sich einfacher einsehen, aber die Frohnatur und den Melancholiker sehen wir als angeboren. Aber es sind eben Genetik und unsere Lebensumstände, die uns formen. Und wie wir heutzutage wissen, müssen wir keine Opfer von ihnen bleiben, wie die meisten von uns glauben. Es gibt Dinge, auf die wir einen Einfluss haben und die wir selbst bestimmen können.

Genetik und Konditionierung

Wir haben sprechen gelernt, uns ein Handwerk angeeignet, haben Traditionen und Konventionen übernommen und wurden in eine Gesellschaft integriert. Wir sind konditionierte Wesen, das müssen wir uns eingestehen.

Wieso halten wir uns für das Opfer unserer Gedanken und Gefühle? Wieso glauben wir, wir könnten nichts gegen unsere Depression, Lustlosigkeit oder Langeweile tun? Sind wir damit geboren worden oder hat sich diese nicht im Laufe unseres Lebens entwickelt?

Warum ist jeder so fasziniert von der Begeisterungsfähigkeit eines Kleinkindes, das gerade laufen und sprechen lernt? Darüber, dass diese über alles staunen und sich mutig in neue Abenteuer stürzen.

Weißt du, dass du auch einmal so warst? Und was wäre, wenn all das noch in dir stecken würde?

hund in wiese

Verbindung von Gedanken und Emotionen

Die negativen Gedanken, die uns zum Gefühl der Einsamkeit führen, haben wir uns also über die Jahre angeeignet, sowohl aus dem Umfeld, in dem wir aufgewachsen sind, als auch über Medien und allem, was uns beeinflusst.

Hinzu kommt, dass wir diese Gedanken mit Emotionen verknüpfen, wodurch sie uns als absolut unumstößliche Wahrheit erscheinen. Jetzt fühlt es sich echt an.

Diese Verbindung aus Gedanken und Emotionen ist der Grund dafür, warum es nicht reicht, einfach negative gegen positive Gedanken auszutauschen. Dadurch verändert sich nämlich nicht die Emotion und deshalb fühlen wir uns nicht besser.

Die Verbindung der beiden muss also erst aufgelöst werden. Hier kommen die oben erwähnten Affirmationen ins Spiel. Sie bringen unseren Körper nämlich in eine Hochstimmung, wenn sie richtig ausgeführt werden, und können uns dabei helfen, alte Netzwerkverbindungen im Gehirn zu lösen und neue zu schaffen, wodurch sich ganze Verhaltensmuster ändern lassen.

Mehr zu diesem Thema erfährst du im Artikel: Visionen haben und eine neue Zukunft erschaffen. Und wenn du mehr über den Ursprung des Einsamkeitsgefühls erfahren möchtest, empfehle ich den Blogpost: Über eine Trennung hinwegkommen. Er geht auf den tief verwurzelten Glauben in uns ein, dass wir von unserer Umwelt getrennt sind und erklärt, warum wir deshalb nach Trennungen so viel Schmerz empfinden.

Der Einsamkeit begegnen

Je mehr wir uns mit dem Gefühl der Einsamkeit auseinandersetzen und nicht vor ihr davon laufen, desto eher können wir erkennen, woher sie kommt und wir beginnen ein Verständnis dafür aufzubauen, welche Prozesse ihr zugrunde liegen. Die meisten Menschen wissen, dass sie sich alleine nicht wohl fühlen, wissen aber nicht warum. Und statt der Sache auf den Grund zu gehen, neigen wir gerne dazu, schnell Abhilfe gegen das Unwohlsein zu suchen, indem wir uns ablenken.

Wenn man es allerdings schafft, sich selbst mit Wohlwollen und Neugier zu begegnen, ohne sich zu verurteilen oder zu rechtfertigen, dann hat man eine ehrliche Chance, Gefühlen wie Einsamkeit oder Leiden ein Ende zu setzen, und zwar nicht nur für den Moment des Filmschauens, des Essens oder des Abends mit Freunden.

Es ist eine lebenslange Verpflichtung, ehrlich mit sich umzugehen, sich zu verstehen, zu begreifen und mit Verständnis zu begegnen. Sich zu akzeptieren, sich zu verzeihen und sich selbst zu lieben.

Einsamkeit wird dann zu einem Geist, von dem man gehört zu haben glaubt. In einem anderen Leben zu einer anderen Zeit, wo Bären dich beschützen sollten. Als hätten Liebe und Glück je einen Beschützer gebraucht.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Themen

Kostenlose Ratgeber zum Download

Pin It on Pinterest

Share This