Eifersucht: Ein Zeichen von Liebe oder fehlender Selbstliebe?

Sep 10, 2019

Die Geister scheiden sich allzu gerne, wenn es um Eifersucht geht. Wer eifersüchtig sei, der liebe besonders stark. Wer Eifersucht empfindet, dem fehlt es eindeutig an Selbstliebe. Warum entsteht das Gefühl von Eifersucht und kann ein Mensch lernen, weniger eifersüchtig zu sein?

Berechtigte oder unberechtigte Eifersucht

Es gibt viele verschiedene Beispiele für Eifersucht, wobei wir manche als berechtigt und manche als unberechtigt ansehen. Wir empfinden Eifersucht, wenn …

♦ Jemand hübscher, besser, klüger oder erfolgreicher ist als wir.

♦ Unser/e Freund/in etwas mit anderen unternimmt und wir nicht eingeladen sind.

♦ Der Partner jemand anderes ansieht (vor allem, wenn wir das Gefühl haben, die Person sei hübscher, besser usw.)

♦ Der Partner sich mit jemand anderes unterhält bzw. flirtet.

Jeder mag einen Grund wissen, warum es in seinem speziellen Fall berechtigt war, eifersüchtig zu reagieren, vor allem, wenn es um den Partner geht. Schließlich habe der niemand anderes, der gut aussieht, anzusehen, geschweige denn sich angeregt mit besagter Person zu unterhalten. Warum eigentlich?

Um diese Frage zu beantworten, sollten wir verstehen, wo das Gefühl von Eifersucht herrührt. Sehen wir uns den Prozess von Anfang an an, denn die Kurzantwort darauf ist ebenso unbefriedigend, wie den Partner mit einer anderen Person flirten zu sehen.

Warum wir uns eine Beziehung wünschen

In einer gut funktionierenden Partnerschaft sein, in der sich beide lieben, verstehen und füreinander da sind. Kaum ein Mensch, der sich das nicht wünschen würde, und kaum jemand, der nicht einen Film in seinem Kopf hat, wie so eine Beziehung aussähe.

Unser Verstand hat im Laufe unseres Lebens viel gespeichert: Allen voran unsere persönlichen Beziehungsgeschichten und deren „unhappy endings“, die uns zeigen, was wir künftig nicht wollen.

Gepaart wird das Ganze mit hübschen Hollywoodfilmen, den Storys unserer Lieblingsstars auf Instagram und den Ratschlägen und Weisheiten der lieben Eltern.

Nicht zu vergessen all die einsamen Tage, die wir allein zu Hause vor dem Fernseher (mit oben erwähnten Hollywoodschinken) zubrachten. Unser Verstand hat den Kontrast zu den glücklichen Zeiten, die wir in Beziehungen hatten, aufgezeichnet und ist nun fleißig an der Arbeit, unsere Wünsche zu erfüllen.

Das ist, was der Verstand tut und es ist überaus wichtig, dieses Prinzip zu begreifen, wenn wir der Eifersucht (oder jeglichem Leidenszustand) begegnen wollen. Fassen wir es deshalb noch einmal kurz zusammen:

Unser Verstand sammelt unser Leben lang Informationen, teilt sie in gut und schlecht ein und strebt zukünftig nach dem Guten und versucht Schlechtes zu vermeiden.

Ergo: Alleinsein war nicht schön, Beziehung war schön → „Ich will eine Beziehung.“

 

 

Warum der Plan nicht aufgeht

Verliebt sein ist wunderschön – niemand stellt das in Frage. Wir lieben es, verliebt zu sein. Wir fühlen uns großartig, wir werden begehrt, wir begehren, wir genießen die Aufmerksamkeit, die wir bekommen und die wir geben. Die Aufregung, die Spannung, das Prickeln und das Kribbeln.

Doch halt! Da schleicht sich jäh etwas in diesen wunderbaren Fluss aus Glücksgefühlen: Es ist Angst. Angst, dass einem diese Gefühle wieder genommen werden. Angst, diesen Menschen zu verlieren. Angst, nicht mehr so geliebt zu werden.

Mit dieser Verlustangst beginnen auch die ersten Eifersuchtsgefühle. Warum hat er/sie noch nicht angerufen? Wieso geht er/sie heute lieber mit Freunden aus? Das Interessante ist, dass diese Verlustangst sogar da ist, wenn es überhaupt keinen augenscheinlichen Grund dafür gibt, verlassen zu werden.

Sie rührt aus folgender Intuition heraus: Wir können niemals zu 100% wissen, ob uns jemand wirklich liebt. Egal was er sagt, egal, was er tut.

Was dieser Mensch wirklich empfindet, weiß nur er selbst. Und tief in unserem Inneren ist uns das bewusst. Und diese Unsicherheit macht uns Angst.

Was wir wirklich wollen

Gehen wir nochmal einen Schritt zurück. Ich behaupte, wir wollen gar nicht die Beziehung per se. Ich untermauere diese Behauptung folgendermaßen: Du hast die Wahl zwischen …

a) Einer Beziehung, aber du bist unglücklich, unzufrieden, lustlos und hast die Lebensfreude verloren oder

b)  Du bist Single, aber bist glücklich, sprühst vor Energie und Lebensfreude und bist voller Tatendrang.

Wie fällt die Entscheidung aus? Ziemlich sicher fällt sie auf den Satz, in dem das Wort glücklich vorkommt. Denn das ist es, was jeder von uns sein möchte. (Siehe auch: Was will ich wirklich? Die Frage, die dein Leben ändert)

Wir wollen Beziehungen, weil wir GLAUBEN, dass sie uns GLÜCKLICH machen werden!

Es ist so wichtig, das wirklich zu begreifen und zu verinnerlichen, dass wir es noch einmal zusammenfassen, bevor wir das Thema Eifersucht in seine Bestandteile zerlegen (das Gehirn muss etwas öfters hören, um es tatsächlich anzunehmen).

Warum wir glauben, dass eine Beziehung glücklich macht

♦ Wir wachsen mit Glaubenssätzen auf; das sind die Programme, die unser Verhalten und unser Leben bestimmen

♦ Was wir denken und fühlen, hängt von dem ab, was wir die meiste Zeit unseres Lebens gesehen und erlebt haben. (Siehe auch: Unser Selbstbild bestimmt wie wir leben)

♦ Wenn 95% der Bevölkerung uns unsere Kindheit und Jugend hindurch predigen, dass eine Beziehung uns glücklich machen wird, wenn Hollywoodfilme und Medien uns das tagtäglich bestätigen, dann GLAUBEN wir es irgendwann.

Was wir wirklich wollen, ist glücklich sein, NICHT die Beziehung, nicht das Geld, nicht der Erfolg oder was immer wir sonst glauben zu wollen.

Warum uns eine Beziehung glücklich macht

Weil all unsere Vorstellungen in dem Augenblick, in dem wir bekommen, was wir ersehnen, erfüllt werden.

Zerlegen wir den Prozess, der in uns abläuft:

♦ Die Welt erzählt mir, dass es nichts Schöneres im Leben als die Liebe gibt. Ich sehe es im Fernsehen und höre es von Freunden. Alle bestätigen es. Sie sehen glücklich aus. Ich will das auch.

♦ Ich will, ich will, ich will. Das wird eine Obsession. Überall sehe ich nur mehr das, was ich will. Ich bin frustriert, weil ich es nicht habe. Ich bin verunsichert. Bin ich nicht gut genug?

♦ Ich bekomme, was ich will (Partner, Job, Auto, Geld, was auch immer). Die Anspannung lässt nach. Ich bin gut, weil ich bekommen habe, was ich wollte. Ich bin wertvoll. Ich bin glücklich.

Das Gefühl des „Glücklichseins“, das sich einstellt, ist das Nachlassen der ewigen Suche, die uns angespannt und frustriert hat. Wir fühlen uns nicht mehr nutzlos, sondern endlich wertvoll.

Es ist nicht der äußere Umstand, der das verursacht hat, sondern unser inneres Loslassen von all unseren Vorstellungen!

Was ist Eifersucht?

Nach all der wichtigen Vorarbeit, die wir für das Verständnis brauchen, können wir uns nun dem unangenehmen Gefühl der Einsamkeit widmen und sie ein für alle mal enttarnen.

Eifersucht rührt aus der oben beschriebenen Verlustangst. Sie ist also tatsächlich der Ausdruck von Unsicherheit und eines Mangels an Selbstliebe. Unser Partner stopft das Loch der Wertlosigkeit in uns, das wir die meiste Zeit unseres Lebens mit uns herumgeschleppt haben, und nun haben wir Angst, ihn zu verlieren.

Cave (weil man es nicht oft genug sagen kann): Es ist nicht der Partner, der uns das Gefühl gibt wertvoll zu sein; wir selbst tun das, indem wir im Moment des Zusammenseins von unseren Vorstellungen ablassen.

Was kann ich gegen Eifersucht tun?

Den Mechanismus durchschauen und ihm mit der Wahrheit entgegenwirken.

Beispiel: Der Partner interessiert sich für jemand anderes.
Was ich fühle: Mein Partner findet mich nicht mehr schön oder gut genug. Ist diese andere Person besser als ich? Ich bin wertlos. Ich bin nicht liebenswert.

Wahrheit: Jeder Mensch hat Präferenzen und die deines Partners ändern sich eventuell mit der Zeit (auch deine können sich ändern).

Wenn du ein bestimmtes Musikstück magst, heißt das auch nicht, dass alle anderen Musikstücke schlecht sind, oder? Es ist nur dein persönlicher Geschmack. Wenn dein Partner jemand anderes möchte, weil ihm etwas nicht mehr in der Beziehung gefällt, macht dich das nicht schlechter! Er oder sie will einfach etwas anderes, etwas Neues.

So schwer das für uns klingt, aber das Leben ist eine ständige Weiterentwicklung und man muss akzeptieren, dass Menschen sich verändern und mit ihnen ihre Wünsche und Vorstellungen.

Das macht uns nicht zu weniger liebenswerten Menschen! Es ist nicht unwahrscheinlich, dass wir einer anderen Person begegnen werden, die uns großartig findet. Für diese Möglichkeiten sollte man sich öffnen, indem man Vergangenes ruhen lässt.

Die Eifersucht entsteht wegen der Geschichte, die sich in deinem Kopf abspielt! Es sind deine Gedanken, die das Leiden verursachen, nicht die Situation an sich.

Es ist traurig, wenn Menschen sich voneinander trennen, aber es ist kein Grund monatelang Feindseligkeit und Schmerz zu empfinden und sich selbst als wertlos anzusehen.

Abschließend lässt sich also bestätigen, dass es die fehlende Selbstliebe ist, die uns ein Gefühl der Wertlosigkeit vermittelt und uns in weiterer Folge eifersüchtig werden lässt.

Lass nicht andere darüber bestimmen, ob du wertvoll bist, sondern mach dir Folgendes bewusst: Du bist ein wichtiger Teil dieser Existenz, so wie jedes Atom deines Körpers und jeder Planet in diesem Universum. Würde auch nur eine Sache fehlen, wäre das ganze System verändert, und so hat es einen besonderen Wert, dass du hier bist, genau in diesem Moment. Du bist nicht von der Meinung eines einzelnen Menschen abhängig. Du bist schließlich Teil des großen Ganzen. Und dieses große Ganze will dich hier und jetzt auf dieser Welt wissen. Wenn das nicht ein Grund ist, sich wertvoll zu fühlen.

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