Der Sinn des Lebens. Schon gefunden?

Feb 9, 2019

„Klopf, klopf!“ – „Herein?“ – „Guten Tag, ich suche nach einem Sinn? Ist er zufälligerweise zu Hause?“

Der Sinn des Lebens – ein Gerücht?

An viele Türen hat man schon geklopft und oft wurden wir abgewiesen. Er sei nicht da, der liebe Sinn. Wann er wieder anzutreffen sei? – Das könne man nicht so genau sagen. Man wisse nicht einmal, ob er hier wohne. Er ward nicht oft gesehen.

Eine Legende, ein Fabelwesen, eine Gutenachtgeschichte, die man sich erzählt, erscheinen wahrhaftiger als dieser Sinn, über den es zwar viele Gerüchte gibt, aber bestätigen will sie niemand so recht.

Denn eins weiß man: Wer ist man schon, um darüber entscheiden zu dürfen, was der Sinn des Lebens sei? Diese große Fantasterei, die wir das Leben nennen, dieses unendlich wiederkehrende und niemals enden wollende Schauspiel an Entstehung und Vergehen; für wen findet es statt? Oder findet es gar in jemandem statt? Wenn ja, und gäbe es tatsächlich einen Sinn für all jenes, wie könnten wir ihn je begreifen? Sollten wir die Suche nach dem Sinn nicht lieber ruhen lassen?

Wann stellen wir die Frage nach dem Sinn?

Meist kommt die Frage nach dem Sinn im Leben schon früh in uns auf. Spätestens wenn man einem System unterworfen wird, dem man sich schwer fügen kann oder möchte (siehe auch den Blogpost: Freiheit und frei sein. Was bedeutet es wirklich?)

Wer kannte sie nicht, die Tage in der Schule, an denen man sich fragte, wofür das alles gut sein sollte. Vor allem die vielen Mathematik Stunden. Und in den meisten Fällen hat man dies zurecht gefragt. Integral – nie mehr gebraucht. Wurzel ziehen – nur in der Zahnheilkunde.

Wie viele Stunden im Leben wurden uns Pflichten aufgebürgt, die wir stillschweigend hingenommen haben. Für die einen war es kein Problem. Für die anderen eine Qual, die kaum zu ertragen war.

Und eben jene, die besonders leiden unter den Anforderungen und Zwängen, die fragen sich: Wofür das alles? Ich tue Dinge, die ich nicht tun möchte, weil man mir sagt, sie seien zu tun. Und wenn ich morgen tot umfallen würde und sie nicht mehr ausführen könnte? Dann würde die Welt sich weiter drehen. Ja, würde sie. Alles würde sich weiter bewegen. So war es immer und so wird es immer sein. Ob mit oder ohne uns.

Leben Sinn

Und nun? Was tun?

In einem solchen Fall wohl kaum etwas, das mir als eine Qual erscheint und mich unglücklich macht. Ich mag zwar nicht den Sinn der Gesamtheit erkennen können, aber bestimmt kann es nicht sinnvoll sein, zu tun, was mir schlecht tut, mich im schlimmsten Fall vielleicht sogar krank und depressiv macht.

Wenn mein Körper mir positive Signale sendet, sei es Ruhe, Entspannung, positive Aufregung oder Ekstase, dann scheine ich auf der richtigen Spur zu sein. Ich fahre in einem komfortablen Wagen, der mich in Windeseile vorantreibt auf einem spannenden Weg durchs Leben.

Wenn ich ausgelaugt, depressiv und unglücklich bin, dann sitze ich wohl eher in einer rostigen Kutsche, die über einen steinigen Weg tuckert, und bei deren Holpern und Stolpern ich von einer Seite auf die andere geschleudert werde. Und die Stunden vergehen dabei eben so langsam, wie die blauen Flecken an meinem Po.

Da ist es nicht verwunderlich, dass man sich fragt: Was hat das alles für einen Sinn? Wofür die Plackerei, die Mühe und die Schererei? Genug! Ich habe es satt!

Sehr gut! An diesem Punkt angekommen, ist man bereit, aus der Kutsche zu springen und dem Kutscher nochmal einen ordentlichen Tritt zu verpassen. Doch da, die große Überraschung: Die Kutsche hat keinen Führer, die Pferde wussten nicht wohin und standen sich beim Laufen gegenseitig im Weg. Niemand, der sie geführt hat. Und man selbst der gutgläubige Passagier im Wagen, der nie nach draußen gesehen hat, weil er zu sehr damit beschäftigt war, sich festzuhalten um die Blessuren zu vermeiden. Ja ja, da hat man sich auf einen Lenker verlassen, den es nie gab.

So muss man der bitteren Wahrheit ins Auge sehen: Man selbst hätte einen Blick hinaus werfen müssen, die verrückt gewordenen Pferde zum Anhalten bewegen und die Zügel an sich reißen.

Kutsche

Das Verlangen nach einem Sinn

Wem kein Lichtlein aufgegangen sein sollte, dem sei’s nochmal erklärt:
Dein Verstand ist wie die Pferdchen, ein ganzer Haufen an Pferdchen, die alle nur ihren Gelüsten (Karotten) und Verlangen (mehr Karotten) folgen. Die Karotte fürs Pferd mag für deinen Verstand der Wunsch nach Reichtum, Macht oder Partnerschaft sein. Doch wie die Karotte werden auch diese Dinge bald aufgegessen, geschluckt und verdaut sein und in den Tiefen darmähnlicher Gebilde verschwinden.

Wenn du mir in diesem Punkt widersprichst, bitte ich dich, einen ehrlichen Blick auf deine Vergangenheit zu werfen. Welche deiner Verlangen, die du bisher hattest und stillen konntest, sind jemals ausreichend gewesen? Suchst du nicht ständig nach neuen? Und dem ist auch nichts entgegenzusetzen, wird unser Körper doch auch gewiss jeden Tag aufs neue hungrig und verlangt nach Essen.

Doch im Fall des Essens begreifen wir, dass wir täglich wieder welches brauchen werden, dass eine Mahlzeit uns nicht auf ewig satt machen wird.

Bei unseren Verlangen, die vom Verstand aufkommen, wollen wir das nicht so recht wahrhaben. Wenn ich nur reich wäre, dann wäre ich auf immer und ewig glücklich. Wenn ich nur den Partner fürs Leben gefunden hätte, dann wäre ich auf immer und ewig geliebt. Wenn ich nur einen Sinn in meinem Leben hätte, dann würde ich endlich Frieden finden.

Und so erklären wir uns, warum es recht ist, dass wir nicht glücklich sind, warum es recht ist, dass wir uns über das Leben und den Kutscher beschweren, von dem wir glaubten, er habe die Pferde geführt.

Wenn wir nur endlich begreifen möchten, dass niemand außer uns selbst die Zügel in der Hand hält. Nur wir können entscheiden, wohin die Reise gehen soll.

Die Frage nach dem Sinn ist sinnlos

Doch wohin des Weges, wenn ich keinen Sinn sehe, auf den ich zusteuern kann? Wieso scheinen die einen ganz genau zu wissen, wohin es geht, während die anderen verzweifelt nach Hinweisschildern suchen? 

Die ewig Suchenden haben sich selbst das größte Hindernis gestellt: Sie glauben fest an einen Sinn, den es zu finden gilt. Doch genau dieser fest verwurzelte Glaube hindert sie daran, dem Leben offen zu begegnen, ohne es vorhersehen und planen zu wollen. Sie meinen, wenn sie einen Sinn sehen würden, dann wüssten sie ganz genau, was zu tun wäre, und was ihre Aufgabe sei.

Doch ist es nicht der feste Glaube an einen Sinn, der mich zum Suchenden macht? Was wäre, wenn ich nicht daran glauben würde, dass es den Sinn des Lebens gibt? Würde ich dann überhaupt danach suchen?

Und so muss man sich die Frage stellen, ob es einen Sinn macht, nach einem Sinn zu suchen. Wenn man denn wirklich unbedingt einen möchte, kann man sich doch eigentlich so viele Sinne für sein Leben ausdenken, wie einem lieb ist. Niemand hindert einen daran. Wir halten die Zügel und daher dürfen wir die Pferde vorantreiben, wohin wir wollen. 

Viel einfacher, jedoch, wird es, wenn man von der Kutsche absteigt, die Pferde losmacht und sie ziehen lässt, wohin sie wollen; die rostige Kutsche zurücklässt und ohne Ballast die Welt von einem neuen Blickwinkel aus entdeckt.

Wie sieht die Welt aus, wenn ich sie ohne all meine Wünsche und Bestrebungen betrachte? Wenn ich frei bin von Vorstellungen und auferlegten Lebenszielen?

 

Suche nach dem Sinn

Was wäre wenn …

Was, wenn es keinen Sinn für all das gibt? Was, wenn es einen gibt, ich ihn aber nie begreifen kann? Was, wenn ich all die Fragerei aufgebe und statt die Welt da draußen nach einem Sinn zu erkunden, beginne, die Landkarten aus Gefühlen und Emotionen zu lesen, die mir den Weg zum Sinnhaftesten in meinem Leben weisen? In mein wahres Selbst (siehe auch den Blogpost: Wer bin ich wirklich?)

Denn bisher habe ich den Sinn in einer Welt gesucht, die sich von allem, das wahr ist, entfernt hat; die ein vorgetäuschtes Leben in sozialen Medien bevorzugt und ihre Körper zur Unkenntlichkeit neu modelliert. In einer Welt, wo der einzelne in Aufruhr durch die Gegend läuft, als müsste er der erste sein auf dem Weg ins Grab.

In dieser Welt nach einem Sinn zu suchen, wird manchen von uns sehr traurig stimmen. Wer aber den Blick von außen nach innen richtet, und sein Denken und Fühlen als Wegweiser nimmt, wird ein Land entdecken, das keine Grenzen hat und ohne Zeit auskommt. Da wartet niemand und niemand erwartet etwas; da bist du, so wie du bist, genau richtig und musst niemand werden. Du bist hier und jetzt – und das ist genug.

Was wäre, wenn es der Sinn im Leben ist, da zu sein und jeden Augenblick so vollkommen zu leben, dass es keine Rolle spielt, wohin man geht und wann man dort jemals ankommen wird.

Was wäre, wenn alle Hinweisschilder, denen du bisher gefolgt bist, nur von uns Menschen aufgestellt worden wären, und einzig dazu dienen, uns das Leben untereinander zu vereinfachen? 

Was wäre, wenn es gar keine Ziele und keine Wege gäbe und wir sie alle nur mit unserem Verstand erfunden hätten?

Was wäre, wenn du schon längst angekommen bist. Hier ist er doch, der Sinn. Du bist es.

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