Der Beziehungskiller Nummer 1

Aug 22, 2019

Warum fühlt sich verliebt sein eigentlich so toll an? Da trifft man jemanden und von einem Tag auf den anderen, macht das Leben viel mehr Sinn und der bisherige Alltag erstrahlt in neuen Farben. Man kann es kaum erwarten, den anderen zu hören, zu sehen und zu fühlen – diese Vorfreude und all die schönen Augenblicke, wenn unsere Erwartungen erfüllt oder übertroffen werden. Und dann? Was passiert nach Monaten und nach Jahren, wenn Anrufe zu einer Verpflichtung werden, Streit alltäglich wird oder das Interesse am anderen nachlässt? Was ist der Beziehungskiller Nummer 1, der sich einschleicht und für viele nie wirklich offensichtlich ist?

Die Ursache liegt nicht am anderen

 

♦  Du gibst mir nicht mehr genug Aufmerksamkeit.

♦  Du wertschätzt mein Tun nicht.

♦  Du lässt mich zu viel allein.

♦  Du bemühst dich nicht mehr.

Wir glauben zu wissen, warum die Luft aus einer Beziehung raus ist, und in den meisten Fällen machen wir das Verhalten unseres Partners dafür verantwortlich. Auch wenn die oben genannten Beispiele auf ihre Art und Weise berechtigt sein mögen, so liegt in diesen Aussagen die Ursache nicht nur im Verhalten des anderen, sondern in der eigenen Haltung.

Nehmen wir doch für einen Moment Stift und Papier zur Hand und beantworten die Frage, warum wir uns in unserer Beziehung nicht mehr glücklich fühlen. Vielleicht finden sich auf deiner Liste ganz ähnliche Sätze wie oben, wobei wir sie nun in der Ich-Person schreiben wollen („Ich wünsche mir mehr Aufmerksamkeit“ usw.).

Was macht mich glücklich in einer Beziehung? Schreiben wir auch das auf („gemeinsame Aktivitäten“, „wertgeschätzt zu werden“, „Aufmerksamkeit bekommen“ usw.)

Auch wenn all unsere Listen ähnlich sein dürften, so werden sie dennoch voneinander abweichen, weil wir unterschiedliche Vorstellungen von einer gut funktionierenden Beziehung haben. Hier liegt übrigens der Hund begraben.

Wenn unsere Erwartungen nicht erfüllt werden, sind wir nicht erfüllt. Daher ist unser Beziehungskiller Nummer 1: Erwartungen haben.

Aber es lief doch alles so gut

Verliebte haben es einfach, denn ihre Erwartungen werden erfüllt. Sie bekommen und geben ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, sie wollen und werden gewollt, kurz gesagt: Ihre Egos werden voll uns ganz befriedigt.

Doch der Mensch adaptiert sich im Laufe der Zeit (in jedem Lebensbereich), und so auch in der Liebesbeziehung. Berührungen prickeln nicht mehr, da der Körper sie kennt; wenn der Name des Partners am Telefondisplay erscheint, macht das Herz auch keine Sprüngen mehr und die Verabredung, die früher viel Vorbereitungszeit benötigte, wird zu einem gewohnten, schnellen Essengehen beim Asiaten ums Eck.

Das menschliche Wesen will wachsen und sich weiterentwickeln, daher der Mechanismus der Adaptation, den wir aufgrund unserer Konditionierung nicht einsehen wollen.

Wir sind nämlich folgendermaßen „konditioniert”: Was sich gut anfühlt, will ich behalten und will mehr davon, und was sich nicht gut anfühlt, will ich vermeiden.

Und dieses Prinzip versuchen wir auch in unseren Beziehungen anzuwenden. Alles in diesem Leben ist in einem ständigen Wandel, und doch fällt es uns schwer, das auch für unsere Partnerschaften zu akzeptieren. Wir neigen dazu, zurückzublicken und uns nach den guten Gefühlen zu sehnen, die wir einst bekommen haben.

Beziehungskiller sind nicht die Umstände

Wir gehen fälschlicherweise davon aus, dass es unsere veränderten Lebensumstände sind, die als Beziehungskiller fungieren.

Natürlich gibt es Veränderungen in Beziehungen wie Kinder, die eine Zerreißprobe für die Partnerschaft darstellen, doch auch hier sind es nicht selten die Erwartungen, die nicht mit der Realität übereinstimmen. Die Frau, die erwartet hatte, dass die Rollenverteilung ausgeglichener sein würde oder der Mann, der sich vernachlässigt fühlt.

Und wenn es nicht Kinder sind, dann ist es ein Hobby, das der andere verfolgt und in das man nicht involviert ist. Es scheint immer äußere Umstände zu geben, die in ihrem Kern aber nur eine Aussage machen: Meine Erwartungen werden nicht erfüllt.

Beziehungskiller Erwartungen

Die meisten Menschen haben ein Bild im Kopf, wie eine perfekte (oder zumindest gut funktionierende) Beziehung auszusehen hat. Für den einen bedeutet es, seine Freiheit zu wahren, für den anderen 24 Stunden am Tag miteinander zu verbringen. Die einen finden es gut, Sachen mit ihren Freunden zu machen, während die anderen meinen, man solle nur gemeinsame Freunde haben.

Wie auch immer die Vorlieben aussehen mögen, wenn Menschen sich finden, die diese Präferenzen teilen, gibt es für einen längeren Zeitraum keine Probleme. Wer die Einstellung vertritt, Kompromisse gehören zu einer Beziehung, wird es wahrscheinlich einfacher haben, als jemand der keine Kompromisse eingehen möchte (es sei denn, er trifft jemanden, der auf alles der Partnerschaft wegen verzichtet).

Es sind unsere Einstellungen und Erwartungen, von denen unsere Zufriedenheit in einer Beziehung abhängt.

Was ist das Problem mit Erwartungen? Wie oben erwähnt, ist Veränderung im Leben unausweichlich. Wer seine Erwartungen von der Verliebtheitsphase behält, wird nach 3 Jahren Beziehung feststellen müssen, dass er es mit zwei veränderten Personen zu tun hat, die sich nicht mehr geben können, was einmal war.

Was passiert, wenn unsere Erwartungen nicht erfüllt werden?

Vorwürfe, Schuldzuweisungen, Enttäuschung und Frustration, die sich wiederum in Vorwürfen und Schuldgefühlen äußern, sind die Ausläufer unerfüllter Erwartungen. Offensichtliche Beziehungskiller.

Das kann sich bis in ein tiefgreifendes Gefühl von Wertlosigkeit steigern, denn wenn unsere Erwartungen nicht erfüllt werden, glauben wir, etwas falsch gemacht zu haben oder nicht gut genug zu sein. Was also tun?

Beziehungskiller ausmerzen

Die Lebensumstände lassen sich nicht immer beeinflussen, daher ist der Ansatzpunkt für eine Veränderung im Leben stets bei sich selbst am besten. Hierfür empfiehlt sich:

1. Verantwortung übernehmen

Wenn wir unzufrieden sind, reicht es nicht, nur den anderen dafür verantwortlich zu machen. Schließlich ist das Verhalten des anderen auch eine Reaktion auf die eigenen Handlungen. Jedoch rate ich davon ab, sich oder den anderen zu verurteilen oder Schuldzuweisungen zu machen.

Besser ist es, zu erkennen, dass man selbst der Meister seines Lebens ist und wo man ist, ist man, weil man bestimmte Entscheidungen getroffen hat. Ich bin diesen Weg gegangen und deshalb bin ich, wo ich bin. Ich möchte woanders sein, also schlage ich einen anderen Weg ein. Versuche nicht den anderen zu verbiegen, damit du zufrieden bist. Fang bei dir selbst an!

2. Erwartungen ändern

Glaubenssätze, Vorstellungen und Erwartungen hast du dir im Laufe des Lebens aufgrund deiner Erfahrungen angeeignet. Du bist nicht mit ihnen geboren worden. Das bedeutet, dass du sie ändern kannst.

♦  Gibt es andere Möglichkeiten, wie du gewisse Aspekte der Beziehung sehen könntest?

♦  Stimmt es, dass der Partner sich so zu verhalten hat, wie du dir das wünscht? Verhältst du dich denn genau so, wie dein Partner sich das wünscht?

♦  Muss man gegenseitige Bedürfnisse befriedigen? Warum? Welche Gefühle möchtest du befriedigt wissen und weshalb?

3. Lerne, dich selbst zu lieben

Es ist eine zeitlose Wahrheit, die wir immer und immer wieder hören, doch scheinbar nicht verstehen wollen: Wer sich selbst nicht liebt, wird auch andere nicht lieben können.

Was viele als Liebe bezeichnen, ist nichts weiter, als das eigene Ego befriedigen zu wollen, weil man sich selbst wertlos fühlt. Wir nehmen statt zu geben.

Aber vorsicht, auch Geben kann auf Unzulänglichkeit und einem Mangel beruhen: Ich fühle mich erst dann wertvoll und gut, wenn ich etwas für andere getan habe.

Geben, wenn man vor Liebe und Glück überquillt und daher keines dieser Gefühle mehr braucht, sondern mit anderen teilen möchte, ist wahres Geben.

Daher ist Selbstliebe auch der Schlüssel zu einer gut funktionierenden Beziehung, da sie nicht darauf beruht, etwas von der anderen Person zu brauchen. Man verbringt einfach gerne Zeit mit diesem Menschen.

Es steht dir frei zu lieben, zu genießen, Spaß zu haben und sich gut zu fühlen. Doch um wahrhaft frei zu sein, musst du dich erst frei von all den Erwartungen und Vorstellungen machen, die dein Leben bestimmen. Unter ihnen wartet dein glückliches Selbst, das es kaum erwarten kann, sich neu zu entdecken – vor allem in zwischenmenschlichen Beziehungen.

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2 Kommentare

  1. Uwe

    Wow sehr gute Beschreibung und Erklärung.

    Antworten
    • Anna

      Vielen Dank, Uwe 🙂 Freut mich, wenn dir der Artikel gefallen hat.

      Antworten

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