Darüber spricht man nicht! Die Falle des Lamentierens.

Sep 19, 2019

Dieser Artikel behandelt nicht Smalltalkthemen, über die in Gesellschaft gesprochen werden sollte oder nicht. Unser Blick konzentriert sich auf das innere Wohlbefinden und dieses hängt, wie bereits oft erwähnt, von unserer Einstellung ab. Lamentieren ist der Ausdruck einer inneren Unzufriedenheit, eines Mangelgefühls oder schlicht einer schlechten Angewohnheit, die weder uns noch unserem Umfeld guttut. Es wird Zeit, den Fokus zu ändern.

Der schlechte Tag

Was heute nicht alles schief gelaufen ist! Erst den Wecker überhört, keine saubere Unterhose gefunden, draußen regnete es und der vermaledeite Schirm stellt sich beim Öffnen als kaputt heraus. In der Arbeit ging sowieso alles schief, das Essen in der Kantine war schlecht, über die Laune vom Chef wollen wir gar nicht sprechen und die Vögel haben auch zu laut gezwitschert.

So oder ähnlich hört es sich manchmal an, wenn man Gesprächen im Kaffeehaus lauscht, abgesehen vom unmöglichen Verhalten des Partners oder der Freundin, welche normalerweise hinzukommen.

Ist das Leben tatsächlich so schlimm, wie wir das darstellen, oder spielen wir gerne den Protagonisten in dem Drama „Mein schweres Leben“?

Der neutrale Tag

Was passiert eigentlich, wenn wir die oben genannten Ereignisse zwar nicht als bevorzugt ansehen, aber auch nicht als dramatisch? Wieso klammern wir an Geschehnissen und berichten sie dann anderen?

Jeder kennt es: Wenn uns etwas Unangenehmes zugestoßen ist, neigen wir dazu, sofort ein Familienmitglied oder den Partner anzurufen, um sich darüber auszulassen.

„Sich Luft machen“, nennen wir das, und darunter könnte man verstehen, dass man die negative Energie, die in unserem System ist und sich durch das immerwährende Durchspielen der Situation im Kopf freimachen will, durch das Lamentieren loswürde. Doch ist dem so?

Wenn wir ganz ehrlich sind, rufen wir doch nicht nur unseren Partner an, sondern kurz darauf unsere Mutter (die sich freut uns zu hören, egal was wir ihr erzählen) und später dann auch die Freundin. Nicht zu vergessen, dass wir beim nächsten Treffen mit unseren Freunden das ganze noch einmal in gekonnt affektierter Manier zum Besten geben.

Das klingt nicht nach Energie freiwerden, sondern nach kontinuierlicher Erneuerung und Speicherung.

Was passiert, wenn wir lamentieren

Wenn wir über negative Dinge sprechen, durchleben wir sie tatsächlich wieder und wieder. Vor allem, wenn wir uns sehr in die Geschichte hineinsteigern.

♦ Mir geht es schlecht.

♦ Das Leben ist so schwer.

♦ Andauernd werde ich ungerecht behandelt.

♦ Wieso passiert so etwas immer mir!

All diese Sätze tragen eine Emotion mit sich, und wenn wir unsere Erlebnisse schildern, durchleben wir die damit verbundenen Gefühle noch einmal.

Denn unser Körper unterscheidet beim Erleben von Emotionen nicht, ob sie durch eine Situation oder durch das Erzählen entstanden sind.

Emotion ist für ihn Emotion. Und diese werden abgespeichert – und zwar in unserem Unterbewusstsein.

Das Abspeichern negativer Einstellungen hat einen enormen Einfluss auf das, was wir künftig erleben. Denn wer das Leben als „schwer“ ansieht, wird sein Augenmerk stets auf die schwierigen Seiten legen und gar nicht daran glauben, dass es nicht so sein muss.

lamentieren

Warum wir Lamentieren

Es ist eine schlechte Angewohnheit, die wir durch unser Umfeld erworben haben.

Wer zu Hause ständig zu hören bekam, das Geschäft laufe nicht, weil die Wirtschaft schlecht und die Politiker unfähig seien, Armut und Krankheit allgegenwärtig und unausweichlich ist, und man schon sehen werde, wie hart das Leben ist, der wurde mit negativen Ansichten geimpft.

Zusätzlich wird über den Nachbarn, den Arbeitskollegen und die Kirchengemeinde geschimpft und schon ist man auf allen Ebenen bereit, das Leben zu negieren.

Die gute Nachricht ist, dass man dieses negative Denken und damit in weiterer Folge das Lamentieren unterbinden kann.

Warum sollten wir mit dem Lamentieren aufhören?

Wer sich fortwährend in eine negative Stimmung versetzt, zieht unweigerlich negative Ereignisse in sein Leben. Es ist, als würde das Leben einem tatsächlich das unterbreiten, was man für real hält.

Beispiel: Wer meint, dass „alle“ Leute ihm schlecht gesinnt und zudem falsch wären, der wird mit einer so unangenehmen Weise auf Menschen reagieren, dass sie tatsächlich nicht in seinem Umfeld sein wollen. Das nennen wir dann selbsterfüllende Prophezeiung (siehe auch: Law of Attraction – das Gesetz der Anziehung).

Und wer nur davon spricht, dass er nie genug Geld habe, alles zu teuer sei und er sich nichts leisten könne, drückt durch dieses Mangegefühl eine Abneigung gegen Geld aus, welche ihn davon abhält, nach Wegen zu suchen, es zu bekommen.

Wer jammert, stochert nur in Vergangenem rum und wird damit keine Veränderung der Situation herbeiführen. Möchte man etwas an seinen äußeren Umständen ändern, muss man erst sein Inneres genau unter die Lupe nehmen, da es unsere Einstellung ist, die unsere Lebensumstände bestimmt.

Siehe auch: Unser Selbstbild bestimmt wie wir leben.

Vom Jammern zur Bewusstmachung

Alte Gewohnheiten zu durchbrechen bedarf Achtsamkeit und Disziplin (Siehe auch: Gewohnheiten ändern – 7 Schritte). Wer sich nicht mehr über seine Arbeit oder seinen Partner ärgern möchte, dem sei zu Beginn geraten, nicht mit Gott und der Welt über die Ärgernisse zu sprechen.

Wenn der Drang das Telefon zu schnappen und “Mama“ zu wählen aufkommt, empfiehlt es sich, zu stoppen, tief ein- und auszuatmen und in sich zu gehen.

♦ Wieso will ich mit jemanden sprechen?

♦ Was passiert in mir?

♦ Wie fühle ich mich und was denke ich?

Die Antwort darauf dürfte so etwas wie „Ich bin unruhig, gestresst oder rastlos“ sein, und „Weil ich glaube, dass es mir dadurch besser geht“.

Mit unserem jetzigen Verständnis wissen wir jedoch, dass keine wirkliche Verbesserung eintreten wird, solange wir nur lamentieren und kein Ziel damit verfolgen. Wir durchleben die Situation noch einmal und speichern sie in uns ab. Genau das, was wir nicht wollen.

Ein Freimachen erlebt man, wenn der Gesprächspartner die Situation durch ein „so schlimm ist das doch gar nicht“ oder mit konstruktiven Vorschlägen zur Verbesserung abschwächt.

In den wenigsten Fällen geht es dem Jammernden allerdings darum. Er wird sofort widersprechen und Gründe dafür finden, warum es „schrecklich“, wenn nicht sogar „katastrophal“ ist und “nichts zu machen” sei.

Was will ich?

Möchte ich mich ärgern oder will ich mich gut fühlen?

Wer die Feindseligkeiten satthat, wird sich dafür entscheiden, es dieses Mal anders zu machen.

♦ Man ruft niemanden an.

♦ Und beim Treffen mit der Freundin wird man es sich verkneifen, über die Kollegen und das Wetter zu lamentieren.

Stattdessen kann man weitergehen und sich fragen, was man eigentlich wirklich will (siehe auch: Was will ich wirklich? Die Frage, die dein Leben ändert).

Ist man mit dem Job oder der Partnerschaft unzufrieden? Wenn ja, warum? Was würde man ändern, wenn man könnte?

Wer nicht weiß, was er will, und nur darüber jammert, was er nicht will, wird ziemlich sicher im selben Trott bleiben.

Dankbarkeit als Erste Hilfe

Sofortige Abhilfe schafft das Praktizieren von Dankbarkeit.

Siehe auch Dankbarkeit praktizieren – 3 Übungen für jeden Tag.

Beobachtet man Menschen, die schwere Krankheiten oder Unfälle überlebt haben, stellt man fest, dass diese gegenüber den Lappalien, über die wir gerne lamentieren, immun zu sein scheinen. Stattdessen sind sie für so Vieles, das wir als selbstverständlich erachten, dankbar.

♦ Ob das der Regen ist, den wir verteufeln, obwohl er unsere Natur am Leben erhält oder

♦ der gute Tee/Kaffee, den man am Morgen hatte.

♦ Die Menschen, die uns begleiten und

♦ die Freiheiten, die wir in dem Land genießen, in dem wir leben.

 

Wer ehrliche Dankbarkeit empfindet, macht sich sofort von negativen Gefühlen frei und befindet sich auf einer Ebene, die mit dem jener der Liebe zu vergleichen ist.

Das Leben ist bereit, dir jeden Tag seine Schönheiten zu präsentieren, wenn du offen genug bist, sie zu empfangen. Bring deinen Fokus weg von dem, was dich ärgert, lass es gehen und mach deinen Geist frei für das, was dir guttut. Wer möchte die Last des Kummers bis ans Ende seiner Zeit mit sich tragen, wenn er leicht wie eine Feder durch eine Welt von unerklärlicher Vielfalt getragen werden kann? Fang wieder an zu Staunen. Dieses Leben hält genug dafür bereit.

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