Achtsamkeit und Bewusstsein – Der erste Schritt

Jun 11, 2019

Es sollte in jedem Blogartikel angeführt werden, da es der Schlüssel zum Überwinden und Bewältigen von Stress, Schmerz, Kummer, Sorge und Unwohlsein ist: Das Schulen unserer Achtsamkeit und das Bewusstwerden unseres Selbst. Wir wollen diesem Thema aufgrund seines Umfangs einen eigenen Artikel widmen und uns mit der direkten Methode beschäftigen, die uns zu mehr Aufmerksamkeit gegenüber uns und unserer Umwelt führt. Sie ist für jeden Bereich, der mit Leiden und innerer Unruhe zu tun hat geeignet, denn all diesen negativen Gefühlen liegt ein gemeinsamer Mechanismus zugrunde.

Die Ursache unserer Leiden

Die erste edle Wahrheit des Buddha lautet: Das Leben ist Leiden. Körperliche ebenso wie seelische, bedingt durch Krankheit und Alter oder durch die Vergänglichkeit von allem, an dem wir haften, weil es uns glücklich macht.

Die Ursache ist eine Fehlinterpretation und falsche Identifikation unseres Seins. Wir sehen uns als kleine Wesen, getrennt von ihrer Umwelt und in einer großen Welt ausgesetzt, in der wir zu bestehen haben. Dieses falsche Konzept wird uns seit unserer Geburt vorgelebt und in diesem Glauben versuchen wir, uns eine Persönlichkeit aufzubauen, die sich besonders gut in dieser Welt behaupten soll.

So identifizieren wir uns mit einer von uns selbst konzipierten und ausgeformten Persönlichkeit, der wir einen Namen, einen Beruf und allerlei Neurosen aufgedrückt haben. Tata! Hier bin ich! Aber bin ich das wirklich?

Mit keiner wissenschaftlichen Methode hat man bisher das „Ich“ in unserem Körper ausmachen können. Wo ist dieses „Ich“, von dem wir so fest überzeugt sind, dass wir es sind?

Das „Ich“ ist fluktuierend

Was die meisten von uns als „Ich“ definieren, sind ihre Erinnerungen, ihre Erfahrungen, Erlebnisse und alles, womit sie sich identifizieren, also auch ihre Talente, ihr Beruf, ihre politische Orientierung, ihre Vorlieben usw. Was würde passieren, wenn all das verschwinden würde, sagen wir im Falle einer Amnesie? Was würde übrig bleiben?

Da ist doch etwas, was uns unser ganzes Leben begleitet, egal wie oft wir unsere Meinungen und Ansichten geändert haben, egal was wir gesehen und gespürt haben. Was ist das?

Nun ja, mein Körper eben, möge manch einer sogleich antworten. Aber unterliegt dieser nicht auch einem steten Wandel? Vom Kleinkind zum Erwachsenen, von Gesundheit zu Krankheit, von Klarheit zur Benommenheit – wieso können wir all diese Zustände beobachten? Wer beobachtet das?

Wieso hört man viele alte Menschen sagen, dass sie sich beim Blick in den Spiegel nicht als diese alte Person fühlen, sondern sich im Innersten so sehen wie damals, als sie jung waren. Was ist es, das niemals in uns altert, aber das Altern beobachten kann?

Und warum all diese Fragen?

Fragen, um dein Bewusstsein wachzurütteln

Mit Fragen wie den obigen tun sich in manchen von uns Abwehr und Ablehnung auf, in anderen Überraschung oder vielleicht sogar ein Aha-Effekt. Es geht darum, alte Vorstellungen und Meinungen über das Selbst und das Leben infrage zu stellen, um einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Unsere Achtsamkeit verlagert sich und unser Bewusstsein vergrößert seinen Radius.

7,5 Milliarden Menschen haben 7,5 Milliarden Ansichten darüber, wie das Leben auszusehen und wie man sich zu verhalten hat. Wer hat recht? „Ich“ wird wohl die allerhäufigste Antwort sein, und bezogen auf die eigenen Erfahrungen, die man gemacht hat, mag das auch stimmen.

♠ Siehe auch: Glaubenssätze formen unsere Realität

Doch so manch einem von uns machen die eigenen Vorstellungen einen Strich durch die Rechnung, denn, sollten sie unerfüllt bleiben, hadern wir mit dem Leben, empfinden es als Last, fühlen uns kraftlos und müde und werden unglücklich. Spätestens dann stellt sich die Frage: Was mache ich hier eigentlich?

Wenn das Leben zur Last wird, weil es keinen Sinn mehr ergibt, eröffnet sich uns die große Möglichkeit, den Blick von der Außenwelt nach innen zu richten. Wer leidet?

Überwinden des Leidens – Der direkte Weg

Es gibt eine Vielzahl an Methoden, um Stress zu bewältigen und Probleme zu überwinden. Jede hat ihre Berechtigung, bezogen auf das Symptom, das wir behandeln wollen.

Da wir uns mit der Wurzel allen Übels befassen (= der Trennung unseres Seins von der Welt durch das „Ich“), suchen wir nach einem Weg, um in die Tiefen dieser Erde vorzudringen und diese Wurzel ausfindig zu machen. Da wir uns nicht mit den Ästen und dem Stamm des Problembaums befassen (was ein schier endloses Unterfangen wäre), nehmen wir also den direkten Weg zum Problem.

Doch ein jeder von uns steht an einer anderen Stelle in seinem Leben, daher werden wir verschiedene Ansatzpunkte haben, von denen wir ausgehen. Hier sollen kurz die zwei häufigsten angeschnitten werden, von denen wir uns auf unseren Weg in unser innerstes Selbst begeben.

1. Ich ertrage mich und meine Gedanken nicht mehr.

Am vermeintlichen Tiefpunkt im Leben angelangt oder ausgelaugt vom ständigen Stress, den Sorgen und Ängsten, die sich in Panikattacken, Schlaflosigkeit oder Depression äußern, wird man von wiederkehrenden negativen Gedanken und Emotionen heimgesucht. Der Glaube an das Leben und die Hoffnungen auf eine bessere Zukunft sind stark erschüttert.

Wichtig für Menschen in dieser Lebenslage ist vorrangig, aus diesem Strudel an negativen Gedanken und Emotionen zu kommen. Dabei ist vielen dieser Personen nicht einmal bewusst, dass es ihre Gedanken sind, die ihre Ängste und Sorgen verursachen! Sie glauben, es seien die Lebensumstände (die sich übrigens verändern werden, sobald sich ihre Gedanken geändert haben).

2. Ich habe die Begeisterung verloren / bin nicht mehr wirklich glücklich

Man muss nicht immer ganz unten angekommen sein, um das Leben in Frage zu stellen. Auch Menschen, die scheinbar alles erreicht haben oder den gesellschaftlichen Ansprüchen genügen, kommen häufig an einen Punkt, an dem sie sich fragen: „Und nun? Soll das alles gewesen sein?“

Sie haben das Gefühl zu funktionieren, aber nicht mehr mit Begeisterung am Leben teilzuhaben. Sie tun, was zu tun ist, spüren aber zusehends eine Leere oder Melancholie in ihrem Leben aufkommen. Diese erleben sie, weil sie Glaubensvorstellungen haben, die nicht mehr konform mit ihrem Leben sind.

Es sei erwähnt, dass nur jene, die wirklich bereit sind, ihr Leben zu ändern, um wieder glücklich zu werden, es schlussendlich schaffen werden.

Wenn “Glücklichsein” nicht oberste Priorität hat, wird man nicht die nötige Ernsthaftigkeit und Ausdauer mitbringen, um dieses Ziel zu erreichen.

Daher sind es oft diejenigen, die ihres Lebens überdrüssig sind, die es tatsächlich schaffen, im Gegensatz zu jenen, die gerade unzufrieden sind, weil etwas nicht so läuft, wie sie das gerne hätten. Sobald alles wieder gut läuft, ist ihr Wunsch glücklich zu sein verschwunden und sie leben wie bisher weiter.

Wer aber die Dringlichkeit seines Anliegens nach Glück erkannt hat, lässt sich nicht mehr von den äußeren Umständen ködern, denn er weiß, dass diese nicht von Dauer sind. Und unser Ziel ist es, dem Leiden ein für allemal ein Ende zu setzen!

Am Beginn stehen Achtsamkeit und Bewusstmachung

Du fühlst dich schlecht, bist rastlos und unruhig und würdest dich jetzt am liebsten mit etwas ablenken (Essen, Alkohol, Nikotin, Film oder Serie schauen, Telefonieren, Freunde treffen)? Stopp! Wenn negative Gefühle aufkommen, bleibst du still, richtest deinen Blick nach innen und suchst nach den ursächlichen Gedanken.

Du glaubst, da waren keine Gedanken? Das liegt daran, dass sie so unbewusst im Hintergrund ablaufen, dass sie dir nicht auffallen. Ein Beispiel: Wenn du einen Film ansiehst, in dem ein liebendes Paar vorkommt, und du traurig wirst, könnte es an einem Gedanken wie „Das hätte ich auch gerne“ gelegen haben.

Es wir dich zu Beginn Mühe kosten, dich immer und immer wieder dabei zu ertappen, aber es wird einfacher mit der Zeit und der Gewinn, den du daraus haben wirst, wird dich mehr als entschädigen. Bleib dran und lass keinen Gedanken mehr unbemerkt deine Gemütslage bestimmen!

Stopp erzwingen

Falls du dich in einem Strudel aus negativen Gedanken siehst, die dich verurteilen, schlecht machen und dich ängstigen, entkomme ihnen, indem du „Stopp!“ sagst. Du kannst es auch laut aussprechen, wenn dir das hilft. Zur visuellen Unterstützung kann es helfen, sich ein großes Stoppschild vorzustellen.

Dies ist eine Erste-Hilfe-Maßnahme, wenn dein Kommentator im Kopf unentwegt auf dir herumhackt und nicht schweigen will.

Was, wenn Emotionen mich überwältigen?

Für Emotionen wie Trauer, Wut oder Angst empfiehlt es sich, sie zuzulassen, so schwer das am Anfang auch sein mag.

Wenn dir nach Weinen ist, dann weine, wenn du wütend bist, schreie oder schlag auf ein Kissen. Angst ist oft ein Ursprung von Trauer oder Wut und wird sich deshalb in ähnlichen Symptomen äußern.

Falls es dir gelingt, beobachte dich während du weinst oder durch die Wohnung wütest, und versuche, dich nicht zusätzlich hineinzusteigern, indem du die Emotionen mit Geschichten belädst.

Ein emotionaler Zusammenbruch ist meist nach wenigen Minuten vorbei und kann als eine Katharsis betrachtet werden, in der dein Körper versucht, negative Energien loszuwerden.

Atme einige Mal tief ein und aus und geh in dich. Welche Gedanken haben diese Emotion ausgelöst?

Lerne zu beobachten

Wenn wir uns in Achtsamkeit üben und unsere Gedanken beobachten, neigen wir schnell dazu, diese zu rechtfertigen oder andere Menschen zu verurteilen wegen derer wir diese Gedanken haben.

Dabei geht es vorrangig darum zu erkennen, welche Gedanken sich in unserem Kopf abspielen und welche Gefühle sie auslösen. Wir wollen lernen, unbeteiligt zu beobachten. Nur so können wir auch loslassen.

Dabei hilft folgende Frage: „Wer sieht diese Gedanken?“ bzw. „Wer fühlt diese Gefühle?“.

Jedes Mal, wenn wir uns fragen, wer es ist, der das beobachtet, werden wir aus dem Geschehen gezogen, können einen Schritt zurücktreten und objektiv an unsere Probleme herangehen.

Achtsamkeit

Ich bin nicht meine Gedanken

Wenn ich meine Gedanken beobachte, dann sehe ich, wie sie kommen und wie sie verschwinden. Wenn sie verschwunden sind, bin ich immer noch da. Meine Gedanken sind also Objekte, die in mir erscheinen – sie sind nicht ich.

Meine Gedanken sind außerdem keine in Stein gemeißelten Tatsachen, denn sie haben sich über die Jahre sehr oft geändert. Was mir als Kind gefallen hat, interessiert mich mit 40 nicht mehr. Vielleicht war ich Raucher und bin nun strikter Nichtraucher. Meinungen, Ansichten und Lebenseinstellungen ändern sich.

Was ich jetzt denke, wird mich in 10 Jahren wahrscheinlich nicht mehr kümmern. Warum messe ich ihm jetzt so einen Wert bei? Wer ist es, der das so wichtig nimmt? Wo ist der Raucher hin, dem Zigaretten so wichtig waren? Wo das Kind, das ohne seinen Teddy nicht schlafen konnte? Wird derjenige, der das so wichtig nimmt, auch irgendwann verschwunden sein?

Manchmal muss man nur ein paar Gläser Alkohol trinken, um dieses „Ich“, das so viele Probleme hat, zum Schweigen zu bringen. Wie ist das möglich? Wo ist es hin?

Woher kommen Gedanken?

Um dieser Sache auf den Grund zu gehen, müssen wir ein wenig mehr über unsere Gedanken in Erfahrung bringen.

Wo kommen sie eigentlich her, diese Gedanken? Hab ich sie erfunden oder kreiert? In den meisten Fällen müssen wir feststellen, dass es noch nicht einmal unsere eigenen Gedanken sind, sondern jene, die wir von Eltern, Großeltern, dem Umfeld und den Medien übernommen haben. Vor allem als Kind wurden wir mit Ansichten und Meinungen unserer Eltern und Verwandten überhäuft, die in unserem Unterbewusstsein gelandet sind. Dies hat seinen Sinn, dazu mehr im Artikel: Das Unterbewusstsein – Wie funktioniert es?

Unser Gehirn gibt also das wieder, was wir unser gesamtes Leben angesammelt haben und dazu gehört auch die “Ich-Persona”, die wir über die Jahre aufgebaut haben. Sie besteht aus dem, was andere über uns gesagt haben und was wir selbst über uns sagen, und ist somit ebenfalls ständigen Veränderungen unterworfen. Auch das “Ich-Bewusstsein” hat seinen Sinn, da wir uns dadurch in der Welt einfacher zurecht finden, doch haben wir uns so sehr damit identifiziert, dass wir uns für dieses Gedankenkonstrukt halten.

Was wir “Ich” nennen, ist ein komplexes Gebilde aus Gedanken, die mit Emotionen verknüpft sind und uns den Schein einer soliden Person vermitteln.

Achtsamkeit bedeutet, genau unter die Lupe zu nehmen, was wir über uns sagen und denken; warum glaube ich, dass ich nicht gut genug bin? Wer hat so etwas zu mir gesagt? Wann empfinde ich das?

Lerne zu beobachten, was in dir vorgeht! Achtsamkeit ist der Schlüssel zu deinem wahren Selbst, denn hast du erst die Lügen in dir enttarnt, kannst du sie fallenlassen.

achtsamkeit meditation

Offenheit und Verzeihen

Da wir nun erkennen, dass es sich um Glaubensgrundsätze handelt, die wir irgendwann in unserem Leben gelernt und verinnerlicht haben, können wir ihnen offen gegenübertreten und uns fragen: Stimmt das alles eigentlich wirklich, was ich mir da sage? Stimmt es, dass ich ein Versager bin? Dass ich nicht gut genug bin? Dass ich nicht attraktiv bin?

Oder sind das kollektive Vorstellungen der Gesellschaft, denen ich unterliege? Kann ich ihnen und mir verzeihen und diese Glaubensgrundsätze fallen lassen?

Indem wir unsere Vorstellungen als das erkennen, was sie wirklich sind, nämlich Programmierungen und Konditionierungen unseres Umfelds und unserer Gesellschaft, fällt es uns leichter sie loszulassen.

Vertrauen und Courage

Wie bereits anfänglich erwähnt, ist der Weg zur Selbsterkenntnis durch mehr Achtsamkeit nicht immer einfach, da wir vieles, an das wir geglaubt haben, als unwahr erkennen. Häufig ist dies mit Zweifeln und Unsicherheiten verbunden – wir wissen nicht mehr, wer wir sind und wohin wir sollen.

Hier ist es wichtig, sein Ziel vor Augen zu behalten: “Ich will nicht mehr leiden”, “Ich will glücklich sein“, “Ich will herausfinden, wer ich wirklich bin” usw. Habe Vertrauen, dass es dir gelingen wird.

Es ist ganz natürlich, dass wir Angst bekommen, wenn unser bisheriges Weltbild erschüttert wird. Es zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Dem Weg zu mehr Ruhe und Gelassenheit, zu Einsicht und Nachsicht, zu Klarheit und Mitgefühl. Wer sich selbst versteht, versteht die Welt – denn nichts hat uns je voneinander getrennt.

Dieser Artikel befasst sich mit den ersten Schritten zum Erlernen von Achtsamkeit auf dem Weg zur Selbsterkenntis, und ist vor allem an jene gerichtet, die nicht nur eine Veränderung ihrer äußeren Umstände anstreben, sondern vor allem ihr wahres Selbst finden wollen, weil sie sich in der Welt verloren fühlen. 

Dies sind lediglich die Anfänge, um sich von alten Glaubensgrundsätzen und der Identifikation mit der Persönlichkeit zu befreien; in künftigen Artikeln werden wir uns intensiver mit den Themen Achtsamkeit und Bewusstsein auseinander setzen.

Wichtig ist, dass du Freude an diesem Prozess hast. Lies Texte, Bücher oder schaue Videos zu diesem Thema, die dir guttun. Was sich gut anfühlt, ist ein Indikator, dass du auf dem richtigen Weg bist.

♥ Falls du nach guten und hilfreichen Büchern zum Thema  suchst, hier findest du meine Top Buchempfehlungen: Bücher über Selbsterkenntnis und Glück und Top 8 Bücher über Selbstliebe

Das könnte Dich auch interessieren

Warum du an dich glauben solltest

Warum du an dich glauben solltest

Wer an sich glaubt, bestimmt die Richtung in seinem Leben und ist glücklicher. Stimmt das und kann man lernen, an sich zu glauben?

Selbstfindung: Wer bin ich? (Teil 2)

Selbstfindung bedeutet, sein wahres Ich und damit ein Leben in Freiheit und Glück zu finden. Wer ist dieses “wahre Ich”, nach dem wir suchen?

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Themen

Kostenlose Ratgeber zum Download

Pin It on Pinterest

Share This